Dienstag, 7. Januar 2014

Musik gesehen (15): Jaya the Cat

"Hamburg is like Berlin made in awesome."
Geoff Lagadec

Die entsprechende Interpretation wenig erstrebenswerter Klischees legt nahe, die atmosphärische Qualität eine Rockkonzerts steige proportional mit der Intensität der Gerüche nach Schweiß, Sprit und Gras, die das Publikum verströmt. Ob es da wirklich kausale Zusammenhänge gibt, ist mir unklar, aber für den Auftritt von Jaya the Cat am vorletzten Abend des Jahres 2013 im Knust kann ich sagen: Beides - Qualität und Gerüche - trat ein.


Das Publikum in dem ausverkauften kleinen Schuppen wartete nur darauf, von der Leine gelassen zu werden. Obwohl: Man soll ja nicht nur nach Äußerlichkeiten gehen, aber vor dem Konzert erspähte ich einige Besucher direkt vor der Bühne, denen ich angesichts ihres Erscheinungsbildes unterstellte, nicht zu wissen, auf was sie sich da eingelassen hatten. Ich sollte recht behalten: Recht schnell nahmen sie reißaus, als der Pogo mit teils recht rustikalem Körpereinsatz einsetzte.

Der Rest war tanzen. Jaya the Cat bringen die Menge mit einem Fingerschnipp zum Ausrasten. Ska-Reggae-Punk FTW! Da bleibt kein T-Shirt trocken. Und die Jungs aus Amsterdam haben ihr Programm souverän präsentiert. Meines Erachtens konditionell herausgefordert, aber dennoch mit viel Einsatz und Spielfreude - und einer musikalischen Qualität, die immer weiter steigt. Der neue Gitarrist Dino Memic trägt sicher dazu bei, eine echte Bereicherung. Highlight des Abends: Die Jaya-Version von Driving Home For Christmas, gesungen von Bassist Jan Jaap Onvervagt, der mit einer ganz starken Performance überraschte, stimmlich irgendwo zwischen Chris Rea und Barry White.

Die Chemie stimmte, und das ist auch wörtlich gemeint: Die Band setzte das Motto des Abends - "More Christmas drinking with Jaya the Cat" - in die Tat um und verteilte von der Bühne aus kühle Getränke. Und sie zeigte, dass sie Hamburg irgendwie mag, nicht nur mit obigem Ausspruch von Frontmann Geoff. Ein ganz starkes Konzert war das.


Dazu trug auch das Vorspiel bei, das wie so oft Urban Majik Johnson bestritten. Die Funk-Metal-Crossover-Truppe aus Hamburg-Hamm lieferte diesmal eine musikalisch astreine Performance ab wie selten. Das war wirklich eine Freude.

So ist das Fazit kurz und knapp: ein großartiger, ausgelassener Abend, der mein Konzert-Herz erfreute und zu einem tollen Jahresabschluss beitrug. Mehr davon. Einen kleinen Eindruck vermittelt dieses Video, das tatsächlich am Montag entstand und von der Band gestern bei YouTube gepostet wurde. Schöne neue Welt.