Donnerstag, 5. März 2015

#nolympia, und: No Katar!

Es muss einfach mal in dieser Deutlichkeit raus. Die größten Sportveranstaltungen der Welt, die Fußballweltmeisterschaft und die Olympischen Spiele, begeistern seit Jahrzehnten alle vier Jahre Millionen, ja Milliarden von Menschen. So sehr, dass sie nach wie vor nicht sehen können oder wollen, welche unfassbar dubiosen und kriminellen Machenschaften der Organisation dieser Großereignisse zugrunde liegen.

Eins vorweg: Ich bin ein großer Sportfan. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei Olympia und der Fußball-WM immer dabei bin, als Konsument. Früher vielleicht mehr als heute, aber immer noch sind die Wettkämpfe faszinierend. Die Fußball-WM ist immer ein Selbstgänger, und bei Olympia erfreue ich mich daran, dass Sportarten für einen Moment ins Licht der Welt rücken, die sonst nie zu sehen sind. Judo, Badminton, Bahnradsport, Hockey sind Beispiele, die ich sehr mag, aber die außerhalb von Olympia im Fernsehen nicht stattfinden.

Theoretisch wäre ich der erste, der bei Olympia in Hamburg bei diesen Wettkämpfen als Zuschauer aufschlagen würde. Und eine Fußball-WM vom TV ist Pflicht, immer.

Theoretisch.

Praktisch hat die Erkenntnis, dass diese Veranstaltungen zwar immer noch ihren ursprünglichen Wettkampfcharakter haben (ohne den sie auch nicht funktionieren würden), aber darüber hinaus nur ein Ziel haben: Ihren Organisatoren die Taschen zu füllen, und zwar ohne Rücksicht auf Recht, Anstand und die Interessen der Bevölkerung.

Man weiß ja irgendwie schon lange, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht bei IOC und FIFA. Weltweit gibt es einzelne Menschen, Journalisten - in Deutschland ist es vor allem Jens Weinreich - die unermüdlich recherchieren und veröffentlichen, welches Schindluder die Funktionäre treiben. Doch in der breiten Öffentlichkeit kommt das nicht an. Zu groß ist die nackte Begeisterung der Bevölkerung für das, um das es geht, das sportliche Spektakel. Und zu groß ist die Macht ihrer Gegner, die Meinungsmacht und auch die finanzielle Macht.

Dieses Wissen trübt den Sportgenuss während dieser Veranstaltungen bei mir schon länger. Im Moment jedoch ballt es sich dermaßen, dass es soweit gekommen ist, dass ich sage: Kein Olympia in Deutschland, Boykott der Fußball-WM 2022 in Katar.

Eigentlich möchte ich das nicht. Eigentlich möchte ich mit dafür sorgen, dass die Spiele nach Hamburg kommen. Ich möchte genauso enthusiastisch sein wie mancher im Freundes- und Bekanntenkreis, der aus Begeisterung für den Sport mit Fackeln zur Alster zieht, um mit Tausenden anderen "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg" zu sein. Ja, die computergezeichneten Pläne, die die Olympic City im Hamburger Hafen zeigen und in jeder Haltestelle hängen, sehen toll aus. Und ja, wie sehr würde ich es deutschen Sportlern gönnen, vor heimischer Kulisse um Gold zu kämpfen. Und ja, wie gern würde ich bei solchen Wettkämpfen live dabei sein.

Aber das Wissen ist inzwischen zu groß. Das Wissen, dass für Olympiabewerbungen unkontrolliert Millionen an Steuergeldern verpulvert werden. Dass Millionen für Sportstätten ausgegeben werden, die zwar schön aussehen, sich aber nicht rechnen. Dass die Stadt für die Zeit des Wettkampfs vom IOC belagert wird, mit eigenen Straßenspuren für die Funktionäre und mit Vorschriften, was ich beim Besuch eines Wettkampfs essen, trinken und anziehen darf, um die Sponsoren nicht zu verärgern. Dass die Stadt und wir letztlich nicht davon profitieren, wie immer gesagt wird, sondern dass die Stadtväter sich maximal etwas Ruhm einheimsen und es ansonsten hauptsächlich darum geht, den IOC-Funktionären die Taschen voll zu machen mit unvorstellbaren Summen unseres Geldes.

Und deshalb unterstütze ich das nicht.

Kommen wir zum Fußball. Über Katar will ich gar nicht so viel schreiben. Die WM wird 2022 stattfinden in einem Land, das Terroristen unterstützt, Bauarbeiter wie Sklaven behandelt und das letztlich wegen seiner klimatischen Bedingungen nicht einmal die Ausschreibungskriterien der FIFA erfüllt. Weswegen das Turnier nun im Winter stattfinden soll. Das Ganze ist ein derart deutlicher Auswuchs von Korruptheit, Willkür und Unfähigkeit der FIFA-Funktionäre, dass es jeder Beschreibung spottet. Sie aber haben es schon so weit geschafft, dass in der Öffentlichkeit nun nicht mehr über das "ob", sondern nur über das "wann" einer WM in Katar diskutiert wird. Bei einer Austragung im Winter gehen Europa als wichtigstem Fußballmarkt mit seinen Verbänden, Ligen und Clubs zig Millionen für den Aufwand flöten, die seit Jahrzehnten etablierten und aufeinander abgestimmten Ligaspielpläne einfach mal eben über den Haufen zu werfen. Für eine WM, die nichts weiter ist als das Ergebnis einer Shopping-Tour katarischer Scheichs, die mal eben etwas Image und Ruhm für ihr kleinnationales Ego brauchten und diese Dinge bekommen von den FIFA-Kaufleuten, die sowas zu Wucherpreisen im Angebot haben.

Hochgradig lächerlich: Die FIFA und ihr Chef Blatter bekommen ja angeblich doch schon hin und wieder mal Zweifel an der eigenen Courage, treten nervös von einem Zeh auf den anderen und nuscheln was von "Fehler, möglicherweise" im Zusammenhang mit Katar. Aber rückgängig machen? No way. Das könnte ja die solventen Scheichs verärgern und ein paar von den Milliönchen kosten, die sich die FIFA-Hanseln von ihnen haben zustecken lassen.

Das alles will ich so nicht mehr. Und deshalb wünsche ich mir nicht, sondern ich fordere und erwarte vom Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga und den Clubs, diese WM zu boykottieren. Falls das nicht eintreten sollte und 2022 in Katar tatsächlich eine vollständige WM stattfindet, sollte ich natürlich konsequenterweise nicht vor der Glotze sitzen, ich weiß. Werde ich das tun? Ich weiß es noch nicht. Auch wenn es wohl eher unwahrscheinlich ist, habe ich irgendwie das unbestimmte Gefühl, dass es zu einer WM 2022 in Katar nicht kommt.

Natürlich habe ich mir das, was ihr gerade gelesen habt, nicht selbst zusammengereimt. Deshalb kommen wir nun zu meinen Leseempfehlungen zu diesem Thema. Alle, die ungetrübt ihren Sport am Fernseher oder dann vielleicht sogar live bei Olympia in Hamburg oder Berlin genießen wollen, sollten das alles lieber nicht lesen. Denen, die mehr über das wissen wollen, was ich in diesem Erguss angedeutet habe und denen die Korruptheit der internationalen Sportfunktionäre Bauchgrimmen bereitet, sei folgendes wärmstens empfohlen: