Freitag, 28. März 2014

Judo vs. Fußball

Ich bin gerade sehr froh, weil der Sohn den Sport gewechselt hat. Bisher war es Fußball, jetzt ist es Judo, und ich freu mich wie Bolle. Weil ich finde, den persönlichen Geschmack und die Einstellung eines jeden Andersmeindenden natürlich tolerierend, dass Judo der mit Abstand bessere Sport für Kinder im Grundschulalter ist.

Diese Überzeugung hat ihren Ursprung in meiner eigenen Erfahrung, denn ich stand selbst in meiner Kindheit auf der Judomatte, und dieser Sport hat aus einem dünnen und mäßig sportlichen Erstklässler einen vielseitig sportlichen jungen Mann gemacht, möchte ich sagen. Und was mich an diesem Sport fasziniert hat, erlebe ich nun wieder, wenn ich dem Sohn dabei zusehe.

Dass es ein Kampfsport ist, macht es ja für Schuljungs schon mal grundsätzlich interessant. Die Anzüge, die Exotik durch die japanische Sprache und die Rituale, die rund ums Judo gepflegt werden, machen es zusätzlich aufregend. Und dass sich alle Schüler erstmal still hinsetzen und nach einem kurzen Moment der Besinnung den Trainer per Verbeugung begrüßen, könnte auch einem Fußballtraining nicht schaden.

Judo fördert den gesamten Körper. Kraft, Schnelligkeit von Körper und Geist, Koordination, Gleichgewicht werden allesamt durch verschiedene Übungen gefördert, und das können viele der sonst gängigen Sportarten nicht leisten - ob Fußball, Handball, Tennis, Schwimmen oder sonst irgendwas. Die Tatsache, dass vieles beim Judo mit Raufen zu tun hat, sorgt natürlich für einen hohen Spaßfaktor. Und doch sieht man als Beobachter schon im ersten Schnuppertraining für Grundschüler, dass mehr dahintersteckt: "Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde: Zum einen das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen und zum anderen der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist."

Lange Rede, kurzer Sinn: Mitzuerleben, wie diese Philosophie die kleinen Menschen von Beginn an leitet, sofort erste Früchte trägt und ihnen zu allem Überfluss auch noch Spaß macht, fand ich toll. Beim Fußball habe ich sowas nie erlebt.

Ich mag Fußball, das wollte ich nur noch mal für alle festhalten, die das hier noch nicht mitbekommen haben sollten. Aber für Jungs im Vor- und Grundschulalter gibt es besseres. Was lernen sie dort? Laufen. Und ein bisschen Fußfertigkeit mit dem Ball. Laufen, passen, schießen. Ganz nett, aber: Das ist alles. Ach ja: Teamgeist. Ist ja schließlich ein toller Mannschaftssport. Stimmt auch, trotzdem hat das auch einen ironischen Unterton verdient, weil das immer als Totschlagphrase kommt, wenn die anderen Argumente ausgehen, und das tun sie meist schnell. Meine Beobachtung: Vor irgendwelchen teamgeistigen Dingen haben die Kids eher gelernt, wie ein möglichst telegener Torjubel á la CR7 und Zlatan funktioniert, und laufen dabei mutterseelenallein über den Platz.

Aber ich will nicht ungnädig werden: Für einige Jungs, für die der Ball die Welt ist und die schon eine gewisse Schnelligkeit und Bissigkeit für dieses Spiel in ihrer Natur haben und zu ihrem ersten Fußballtraining mitbringen, ist das eine feine Sache - doch das sind die wenigsten. Für die große Mehrheit, die das erst lernen müssen, hat Fußball als Möglichkeit der Körper- und Persönlichkeitsentwicklung einer ganzheitlich angelegten Sportart wie Judo wenig entgegenzusetzen. Schon gar nicht im kleinen Dorfclub, wo lückenhaft ausgebildetes Trainerpersonal eher die Regel als die Ausnahme ist.

Kurz und gut: Judo ist toll, und das der Sohn da ist mitmacht, ist eine große Freude. Das wollte ich damit eigentlich nur mal gesagt haben.