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Mittwoch, 11. März 2015

Außenbords: Links aus 1511


Olympia, Fußball, Social Media und Autos - das sind diesmal die Außenbords-Themen. Viel Spaß beim Lesen.


- Sie sind nicht schön, sie sind nicht schnell, sie sind nicht sparsam und bieten auch nicht übermäßig viel Platz - warum zum Henker fährt trotzdem alle Welt SUV? Ich verstehe es nicht. Dieser Text übrigens auch nicht - obwohl er versucht, Gründe zu finden. Lesenswert ist er trotzdem.


- Das ist ja Wasser auf meine Mühlen: Zeit meines Lebens werde ich Unverständnis und Verachtung jenen gegenüber hegen und auch äußern, die meinen, sie würden andere Fußballclubs und deren Anhänger hassen. Hass hat sowieso nirgends einen Platz, und schon gar nicht im Sport. Egal, aus welchen Gründen. Dieser Text bringt es anhand eines aktuellen Beispiels auf den Punkt.


- Hier mal was berufliches: Eine Umfrage sagt, dass junge Leute althergebrachte Servicekanäle wie Telefon und Post ignorieren und auch mit ihrer Versicherung per Chat und Facebook kommunizieren wollen. Mal gucken, wann die Ärmelschonerträger und Datenschützer dieser Welt das schnallen.


- "...ein Signal des Aufbruchs, der Bewegung sowie Weltoffenheit und zudem ein Bekenntnis zum Wettbewerb" könnte Olympia für Deutschland sein, sagt dieser Text. Präziser wird er kaum. Trotzdem lesenswert, weil er bei der Suche nach Gründen, warum Olympia in Hamburg oder Berlin stattfinden sollten, ganz viele findet, die dagegen sprechen.

Donnerstag, 5. März 2015

#nolympia, und: No Katar!

Es muss einfach mal in dieser Deutlichkeit raus. Die größten Sportveranstaltungen der Welt, die Fußballweltmeisterschaft und die Olympischen Spiele, begeistern seit Jahrzehnten alle vier Jahre Millionen, ja Milliarden von Menschen. So sehr, dass sie nach wie vor nicht sehen können oder wollen, welche unfassbar dubiosen und kriminellen Machenschaften der Organisation dieser Großereignisse zugrunde liegen.

Eins vorweg: Ich bin ein großer Sportfan. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei Olympia und der Fußball-WM immer dabei bin, als Konsument. Früher vielleicht mehr als heute, aber immer noch sind die Wettkämpfe faszinierend. Die Fußball-WM ist immer ein Selbstgänger, und bei Olympia erfreue ich mich daran, dass Sportarten für einen Moment ins Licht der Welt rücken, die sonst nie zu sehen sind. Judo, Badminton, Bahnradsport, Hockey sind Beispiele, die ich sehr mag, aber die außerhalb von Olympia im Fernsehen nicht stattfinden.

Theoretisch wäre ich der erste, der bei Olympia in Hamburg bei diesen Wettkämpfen als Zuschauer aufschlagen würde. Und eine Fußball-WM vom TV ist Pflicht, immer.

Theoretisch.

Praktisch hat die Erkenntnis, dass diese Veranstaltungen zwar immer noch ihren ursprünglichen Wettkampfcharakter haben (ohne den sie auch nicht funktionieren würden), aber darüber hinaus nur ein Ziel haben: Ihren Organisatoren die Taschen zu füllen, und zwar ohne Rücksicht auf Recht, Anstand und die Interessen der Bevölkerung.

Man weiß ja irgendwie schon lange, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht bei IOC und FIFA. Weltweit gibt es einzelne Menschen, Journalisten - in Deutschland ist es vor allem Jens Weinreich - die unermüdlich recherchieren und veröffentlichen, welches Schindluder die Funktionäre treiben. Doch in der breiten Öffentlichkeit kommt das nicht an. Zu groß ist die nackte Begeisterung der Bevölkerung für das, um das es geht, das sportliche Spektakel. Und zu groß ist die Macht ihrer Gegner, die Meinungsmacht und auch die finanzielle Macht.

Dieses Wissen trübt den Sportgenuss während dieser Veranstaltungen bei mir schon länger. Im Moment jedoch ballt es sich dermaßen, dass es soweit gekommen ist, dass ich sage: Kein Olympia in Deutschland, Boykott der Fußball-WM 2022 in Katar.

Eigentlich möchte ich das nicht. Eigentlich möchte ich mit dafür sorgen, dass die Spiele nach Hamburg kommen. Ich möchte genauso enthusiastisch sein wie mancher im Freundes- und Bekanntenkreis, der aus Begeisterung für den Sport mit Fackeln zur Alster zieht, um mit Tausenden anderen "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg" zu sein. Ja, die computergezeichneten Pläne, die die Olympic City im Hamburger Hafen zeigen und in jeder Haltestelle hängen, sehen toll aus. Und ja, wie sehr würde ich es deutschen Sportlern gönnen, vor heimischer Kulisse um Gold zu kämpfen. Und ja, wie gern würde ich bei solchen Wettkämpfen live dabei sein.

Aber das Wissen ist inzwischen zu groß. Das Wissen, dass für Olympiabewerbungen unkontrolliert Millionen an Steuergeldern verpulvert werden. Dass Millionen für Sportstätten ausgegeben werden, die zwar schön aussehen, sich aber nicht rechnen. Dass die Stadt für die Zeit des Wettkampfs vom IOC belagert wird, mit eigenen Straßenspuren für die Funktionäre und mit Vorschriften, was ich beim Besuch eines Wettkampfs essen, trinken und anziehen darf, um die Sponsoren nicht zu verärgern. Dass die Stadt und wir letztlich nicht davon profitieren, wie immer gesagt wird, sondern dass die Stadtväter sich maximal etwas Ruhm einheimsen und es ansonsten hauptsächlich darum geht, den IOC-Funktionären die Taschen voll zu machen mit unvorstellbaren Summen unseres Geldes.

Und deshalb unterstütze ich das nicht.

Kommen wir zum Fußball. Über Katar will ich gar nicht so viel schreiben. Die WM wird 2022 stattfinden in einem Land, das Terroristen unterstützt, Bauarbeiter wie Sklaven behandelt und das letztlich wegen seiner klimatischen Bedingungen nicht einmal die Ausschreibungskriterien der FIFA erfüllt. Weswegen das Turnier nun im Winter stattfinden soll. Das Ganze ist ein derart deutlicher Auswuchs von Korruptheit, Willkür und Unfähigkeit der FIFA-Funktionäre, dass es jeder Beschreibung spottet. Sie aber haben es schon so weit geschafft, dass in der Öffentlichkeit nun nicht mehr über das "ob", sondern nur über das "wann" einer WM in Katar diskutiert wird. Bei einer Austragung im Winter gehen Europa als wichtigstem Fußballmarkt mit seinen Verbänden, Ligen und Clubs zig Millionen für den Aufwand flöten, die seit Jahrzehnten etablierten und aufeinander abgestimmten Ligaspielpläne einfach mal eben über den Haufen zu werfen. Für eine WM, die nichts weiter ist als das Ergebnis einer Shopping-Tour katarischer Scheichs, die mal eben etwas Image und Ruhm für ihr kleinnationales Ego brauchten und diese Dinge bekommen von den FIFA-Kaufleuten, die sowas zu Wucherpreisen im Angebot haben.

Hochgradig lächerlich: Die FIFA und ihr Chef Blatter bekommen ja angeblich doch schon hin und wieder mal Zweifel an der eigenen Courage, treten nervös von einem Zeh auf den anderen und nuscheln was von "Fehler, möglicherweise" im Zusammenhang mit Katar. Aber rückgängig machen? No way. Das könnte ja die solventen Scheichs verärgern und ein paar von den Milliönchen kosten, die sich die FIFA-Hanseln von ihnen haben zustecken lassen.

Das alles will ich so nicht mehr. Und deshalb wünsche ich mir nicht, sondern ich fordere und erwarte vom Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga und den Clubs, diese WM zu boykottieren. Falls das nicht eintreten sollte und 2022 in Katar tatsächlich eine vollständige WM stattfindet, sollte ich natürlich konsequenterweise nicht vor der Glotze sitzen, ich weiß. Werde ich das tun? Ich weiß es noch nicht. Auch wenn es wohl eher unwahrscheinlich ist, habe ich irgendwie das unbestimmte Gefühl, dass es zu einer WM 2022 in Katar nicht kommt.

Natürlich habe ich mir das, was ihr gerade gelesen habt, nicht selbst zusammengereimt. Deshalb kommen wir nun zu meinen Leseempfehlungen zu diesem Thema. Alle, die ungetrübt ihren Sport am Fernseher oder dann vielleicht sogar live bei Olympia in Hamburg oder Berlin genießen wollen, sollten das alles lieber nicht lesen. Denen, die mehr über das wissen wollen, was ich in diesem Erguss angedeutet habe und denen die Korruptheit der internationalen Sportfunktionäre Bauchgrimmen bereitet, sei folgendes wärmstens empfohlen:

Mittwoch, 9. Juli 2014

Latzes WM: Top & Flop (6)

Es ist ja der Wahnsinn. 7:1. Und seitdem läuft das Internetz über vor Meldungen zu diesem fußballhistorischen Ereignis. Ich will gar keinen Roman dazu schreiben - vor allem deshalb nicht, weil dieser Halbfinalerfolg schon am Sonntag bei einer Finalniederlage wertlos werden kann. Meiner Meinung nach sagt das 7:1 nicht mal zur Hälfte etwas über die zweifellos vorhandene Stärke der deutschen Mannschaft aus. Vielmehr ist das Ergebnis zahlengewordener Beleg für das völlige Auseinanderbrechen der brasilianischen Mannschaft. Die spielerische Mittelmäßigkeit, von Experten schon während der gesamten WM beobachtet, wurde vor allem im Achtel- und Viertelfinale von dem unbändigen Willen, der Leidenschaft und der Hingabe übertüncht, mit der Scolaris Team den Titel für sein Land holen wollte. Die brasilianischen Spieler haben sich selbst einen unfassbaren Druck und eine unmenschliche Fallhöhe auferlegt, an der sie nun zerschellt sind. Das wurde gestern vor allem an dem tränenerstickten Interview von David Luiz deutlich. Individuelle Fehler, die auch Neymar und Thiago Silva nicht hätten verhindern können, führten zu den ersten beiden Toren. Anschließend ist die Mannschaft mental implodiert. Mein Mitleid gilt den Fans, deren Träume und Hoffnungen von der deutschen Mannschaft so abrupt und humorlos beerdigt wurden. Mein Mitgefühl mit der Mannschaft, die im gesamten Turnier und auch in den ersten zwanzig Minuten des Halbfinals ihr Ziel auch durch unsportliches Verhalten wie Schwalben, versteckte Fouls und Reklamationen zu erreichen suchte, hält sich in Grenzen. War es in den Spielen davor David Luiz, ist gestern besonders Marcelo in dieser Hinsicht sehr dumm aufgefallen.

Zum deutschen Team: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel (ach was!). Die Gefahr ist groß, aber ich habe bei dieser Mannschaft dennoch ein gutes Gefühl, dass sie auf dem Teppich bleibt, weiterhin kritisch mit sich selbst ist und nicht schon als gefühlter Weltmeister ins Finale geht - denn das wird ein ganz neues und ein sehr schweres Spiel. Bei meinem Gegnerwunsch bin ich zwiegespalten. Ich mag wie gesagt die Holländer und gönne ihnen schon grundsätzlich, aber auch speziell der aktuellen Mannschaft bei dieser WM jeden Erfolg. Und weil ich sie gleichzeitig für sehr gefährlich halte, hätte ich als Gegner gern Argentinien, da wäre mir wohler. Da gibt es nämlich Parallelen zu Brasilien: Messi und sonst nix.
TOP
Béla Réthy
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache: Ich mochte das, was Béla Réthy da im Halbfinale so erzählt hat. Das war - vor allem in der ersten Halbzeit - ein trotz des Spielverlaufs angenehmer, sachlicher und trotzdem durch die Augen des ungläubig staunenden Fußballfans vorgetragener Kommentar. Auch für die Schock- und Trauermomente der Brasilianer fand er die richtigen Worte, nicht zu nüchtern, nicht zu platt emotionsheischend. Er hat damit den Aufwärtstrend, den er in meiner Wahrnehmung während dieser WM eingeschlagen hat, fortgesetzt. Auch wenn er dann in der zweiten Halbzeit, als aus dem Spiel weitgehend die Luft raus war, wieder in die übliche Statistik- und Anekdötchenplauderei abglitt, kann ich nur sagen: Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Zum Beispiel, dass uns Tom Bartels am Sonntag das Finale erzählt.


 FLOP
Mesut Özil
Ja, ich weiß: Özil-Bashing kommt langsam aus der Mode. Weil es jeder macht, und weil es in seiner Masse und Wucht vielleicht auch oft dem Können dieses Mannes dann doch nicht gerecht wird. Aber ich kann nicht anders, auch und gerade nach dem gestrigen Halbfinale nicht. Ja, er ist von der Anlage ein genialer Spieler und hat auch in diesem Turnier schon seine lichten Momente gezeigt. Und ja, vielleicht sind es schon im nächsten Spiel zwei dieser Momente, mit denen er die Entscheidung bringt. Aber: Das können inzwischen auch andere in der deutschen Mannschaft mindestens genauso gut. Und die leisten sich zumindest momentan nicht diese Unfassbarkeiten im Hinblick auf Einsatz und Körpersprache wie Özil. Schlampige Pässe, schlampige Passannahme (dem Ball entgegengehen, das lernt man schon in der E-Jugend), null Torgefahr - bei allen Ideen, die er zwischendurch zeigt, ist das mein Haupteindruck. Und dann diese Teilnahmslosigkeit nach Ballverlust. Macht mich fertig. Zumindest aber polarisiert Özil offenbar. Interessant ist nämlich, wie unterschiedlich er in den verschiedenen Sportredaktionen bewertet wird. Zwei Beispiele:
  • SPOX: "Verlor die ersten Zweikämpfe allesamt, wirkte zögerlich statt entschlossen. Dann die schlaue Vorarbeit zu Khediras Chance, die für sein persönliches Spiel zum Türöffner wurde. Von da an unglaublich gut in Bewegung, jederzeit anspielbar, für den Gegner nicht zu greifen und mit guten Ideen beim letzten Pass. Lediglich ein eigener Treffer blieb ihm in seinem bisher besten Turnierspiel verwehrt, auch bei der hundertprozentigen Chance kurz vor dem Ende. Note 1" (Anmerkung von mir: Bei der Notenvergabe haben sich die Kollegen das Spässken erlaubt, allen deutschen Spielern eine 1 und allen Brasilianern die 6 zu geben.)

  • Süddeutsche: "Führte sich mit einem amüsanten Ausrutscher und dem üblichen ersten verlorenen Zweikampf ein. Den zweiten Zweikampf verlor er auch, Bedenken kamen auf. Schien die physische Komponente verweigern zu wollen. Blieb dem Gegner fern, als fürchtete er sich vor ihm. Man muss das so klar sagen: An ihm lag es nicht, dass die Deutschen erst ins Spiel fanden und anschließend gleich den Willen des Gegners brachen. Kombinierte danach gefällig mit."

Mittwoch, 2. Juli 2014

Latzes WM: Top & Flop (5)

TOP
 
Manuel Neuer
Unfassbar, was der Mann da gegen Algerien abgeliefert hat. War immer dann frühzeitig zur Stelle, wenn sich ein Algerier ungehörigerweise seinem Strafraum näherte. Ich bin fast geneigt, mich zu fragen: Tat er das nur aus höchster Not, weil ihn die Nachlässigkeiten seiner Vorderleute dazu zwangen? Oder war das, was wir gesehen haben, womöglich genauso vorgesehen und die Ausführung eines neuen Defensivkonzepts? Nein, für letzteres wäre mehr Mut erforderlich, als wir wohl von einem Bundestrainer erwarten dürfen.

Per Mertesacker
Ich wünschte, The Big Fucking German wäre unser Kapitän. Der kleine Philipp ist ein grandioser Spieler, keine Frage. Aber seine Statements nach dem Spiel sind in ihrer rundgelutschten Pressesprecher-Monotonie unerträglich. Dann lieber Mertesacker, der nicht nur eine großartige WM spielt, sondern auch knackige, kantige Interviews gibt. Gut, nach dem Achtelfinale ist er etwas übers Ziel hinausgeschossen, als er ZDF-Mann Boris Büchler derart angepflaumt hat. Man kann ihn verstehen, dass er nach einem solch harten Spiel 120 Minuten Dauerpower keinen Bock auf negative Fragen hat. Zumal Büchler auch etwas einfühlsamer hätte rangehen können, anstatt ihn gleich in der ersten Frage mit "Glückwunsch, aber so doll war das ja nicht" volley zu nehmen. Ein Einstieg mit "Wie sehr freuen sie sich über den Sieg" oder so mit einer kritischen Frage "Was hat ihnen nicht so gefallen?" hintendran wäre vielleicht taktisch klüger gewesen. Mertesacker seinerseits hätte etwas souveräner und weniger pampig reagieren können. Sei's drum, beide können draus lernen. Und dass Mertesacker sich überhaupt traut, mal neben der Spur was Kritisches zu entgegnen, macht ihn zum Kapitän des Herzens. ZEIT Online hat das übrigens sehr treffend kommentiert.

FLOP
 
Mario Götze
Der technisch sichere Ballbesitzfußball à la Pep, den die deutsche Mannschaft bei dieser WM über weite Strecken zeigt, ist ja schön und gut. Aber etwas schneller, aggressiver, geradliniger und torgefährlicher dürfte es dann schon sein. Diese Kritik ist momentan überall zu lesen und zu hören, und sie ist berechtigt. Und gestern gegen Algerien hatte dieses Tiki-Kaka, wie ich es nenne, auch ein Gesicht: Mario Götze. Er spielt bei dieser WM weit unter Form, produziert Fehlpässe, sinn- und zu oft auch erfolglose Dribblings, keine zündenden Ideen und null Torgefahr. Er ist ein großartiger Spieler und wird sicher wieder sein Können zeigen, aber nicht in Brasilien. Dort möchte ich ihn nicht mehr sehen. Das zweite Sorgenkind ist Özil, der auf ähnlichem Niveau, aber mit leicht ansteigender Formkurve spielt. Da er bei Löw gesetzt ist, können wir nur hoffen, dass er noch besser wird.

Die deutsche Defensive
Sie ist aus meiner Sicht der Grund, warum das deutsche Spiel offensiv nicht aus dem Knick kommt und auch defensiv anfällig ist - obwohl die Innenverteidigung mit Hummels/Boateng und Mertesacker sowie Keeper Neuer einen guten bis sehr guten Job machen. Die Idee, Lahm ins defensive Mittelfeld zu stellen und dafür die Außenverteidigerpositionen zu vernachlässigen, halte ich für den falschen Weg. Sicher, Lahm ist ein ungeheuer intelligenter, passsicherer Spieler, der die Rolle als Sechser sehr gut spielen kann. Doch gestern hat man die Grenzen gesehen: Von ihm geht auf dieser Position zu wenig Impuls und Schnelligkeit für das Offensivspiel aus. Als Außenverteidiger ist er absolute Weltklasse - stark in der Defensive, ideenreich, flink und passstark in der Offensive. Auf der Sechs dagegen gibt es genug andere, die den Job mindestens genauso gut machen. Die Folge von Lahms Umstellung aber ist, dass die Außenverteidigung schlecht besetzt ist. Mustafi hat sich offensiv bemüht, war aber dadurch defensiv überfordert. Höwedes ist in der Defensive solide, offensiv aber ein schwarzes Loch - von der linken Angriffsseite droht den deutschen Gegnern bei dieser WM bisher keinerlei Gefahr. Ich bin gespannt, ob Löw das erkennt und noch umbaut. ... Oh, die Jungs von der FAZ sehen das ähnlich.

 

Freitag, 27. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (4)

TOP

Jogis Jungs
Seit gestern habe ich ein unerschütterliches Vertrauen darin, dass die deutsche Mannschaft das Zeug zum Titel hat. Ich weiß natürlich genauso wenig wie alle anderen, ob es klappt oder nicht, denn das hängt ja neben der allgemeinen und grundsätzlichen Verfassung des Teams auch ganz stark von der Tagesform und anderen wenig beeinflussbaren Dingen ab. Aber sie können. Was sie gegen die USA gezeigt haben, war nicht übermäßig unterhaltsam oder gar furios, aber zumindest für mich überzeugend und souverän. Mein Halbfinal-Tipp: Chile-Niederlande, Deutschland-Argentinien.



FLOP

ARD@Klinsi
Etwas geärgert habe ich mich über die Berichterstattung der ARD in dieser Woche, in der Jürgen Klinsmann zum Alleinverantwortlichen für einen "Riesenhype" rund um Soccer in den Staaten gemacht wurde. Dass Fußball in den USA sich entwickelt und immer mehr Kids und Collegestudenten dem runden statt dem eiigen Leder nachjagen, ist ja nicht ganz neu. Und die Bilder von großen Public-Viewing-Crowds lügen sicher auch nicht. Aber die ARD-Berichte haben den Eindruck erweckt, das sei nur Klinsmanns Verdienst. Kaum zu glauben, wo er sich doch erst unlängst viele Feinde gemacht haben soll mit der Aussage, die USA könnten unmöglich Weltmeister werden. Nun habe er dagegen den Soccer von "Randsport zum Mainstream" gebracht. Darunter machen's die ARD-Leute nicht. Fazit: Etwas mehr Sachlichkeit und Ambivalenz und weniger Oberflächlichkeit und Hochjubeln des deutschen Könnens, das angeblich ständig Menschen in aller Welt zu Höchstleistungen treibt, wäre schön in der von Gebühren finanzierten Berichterstattung. Danke.


Dienstag, 24. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (3)

Bevor wir zu den Tops & Flops kommen, zunächst ein paar Worte zu Deutschland-Ghana: Das war wohl das richtige Spiel, der richtige Dämpfer zur richtigen Zeit. Dennoch haben Jogis Jungs das Ganze noch einigermaßen über die Bühne bekommen. Was ich nicht verstehe: Wenn sich mit Boateng ein wichtiger Außenverteidiger im Spiel verletzt und die beiden defensiven Mittelfeldspieler einen gebrauchten Tag haben - warum kann Löw dann nicht Lahm auf Außen stellen und Schweinsteiger für Khedira bringen? Für mich wäre das die glasklare Lösung für gleich drei Probleme gewesen, die das deutsche Team in diesem Moment hatte. Ich fürchte manchmal, die Antwort lautet: Weil es zu offensichtlich ist und es jeder machen würde. Man könnte meinen, das sei ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium in Jogis Welt. Nun ja. Es geht jetzt gegen die Amis, und ich lege mich hier mal fest: Die werden weggeknallt.

Nun zu den Tops & Flops, nach diesem Lesebefehl: Jens Weinreich bei SPON - Die FIFA gewinnt immer.

TOP

Niederlande
Das war eine ganz starke Vorstellung von Oranje bisher. Die Mannschaft hat sich trotz ihrer vielen jungen und unerfahrenen Spieler robust und ohne viele Fehler präsentiert. Ich habe im Moment den Eindruck, dass da im Moment einfach alles stimmt - angefangen von Trainerguru Louis van Gaal, der gegen viel Widerstand ein neues Spielsystem eingeführt hat, über die jungen Spieler, die ganz gezielt ihre Stärken einbringen, bis hin zu den Leitwölfen de Jong, van Persie und Robben, von denen vor allem letzterer in überragender Form ist. Da ich, anders als die meisten hierzulande, den Fußball der Elftal schon immer mochte, gönne ich den Holländern den Erfolg, der, bis auf den EM-Titel 1988, dann am Ende doch ausblieb. Sie sind - noch vor der DFB-Elf - nunmehr mein WM-Favorit und - nach der DBF-Elf - auch mein Wunschsieger. 

FLOP

Brasilien
Ich möchte nicht, dass die Weltmeister werden. Und ich glaube es auch nicht. Sie haben bisher nicht annähernd die Stabilität und Geschlossenheit gezeigt wie zum Beispiel ihre potenziellen Achtelfinalgegner Holland und Chile. Chile ist es nun geworden, und ich lege mich fest: Für Brasilien ist dort Endstation. Brasilien hat sich bisher für mich nicht als Team präsentiert, dass die zweifellos großen Fähigkeiten seiner Spieler in eine Spielidee übersetzt, die nicht nur begeistern, sondern auch enge Spiele auf hohem Niveau gewinnen kann. Bisher ist das eher ein Haufen fallsüchtiger Individualisten, wovon ich Neymar ausdrücklich nicht ausnehme - er kann halt einfach nur noch mehr am Ball als der Rest. Möge es für Brasilien gegen Chile ein Spiel aus der "Kategorie Barfuß über Legosteine" werden.

Steffen Simon
Der ARD-Mann hat es dann, ergänzend zu den oben genannten Punkten, endgültig geschafft, mir das Gastgeberteam zu verleiden. Mit seinem unsäglichen Kommentar zum Spiel Kamerun-Brasilien hat er der Deutschland-Lobhudelei seines Kollegen Bartels noch einen draufgesetzt, indem er sich als Neymar- und Brasilien-Fanboy allererster Kajüte präsentierte. Obwohl das Ergebnis mit 4:1 nahelegt, dass sie tatsächlich "überragend" (Simons Lieblingswort im Zusammenhang mit Brasilianern) gespielt hätten, taten sie das bei weitem nicht. Exemplarisch dafür war das 1:1 der Kameruner, bei dem die gesamte "Weltklasseabwehr" der Gastgeber einen Totalausfall hatte. Und die Ideenlosigkeit im Offensivspiel wurde von den - zweifellos vorhandenen - Glanzlichtern Neymars und der Indisponiertheit der Defensive Kameruns kaschiert. Da bedankt sich Simon und macht aus zwei Toren Neymars, zwischen denen fast 20 Minuten und ein Gegentreffer lagen, kurzerhand einen "Doppelschlag". Zum Glück hat Mehmet Scholl die Leistung der Brasilianer dann nach dem Spiel etwas nüchterner und realistischer bewertet. Insgesamt muss ich feststellen: Das, was Simon und Bartels da momentan abliefern, lässt Béla Réthy in einem ganz neuen, angenehmen und erträglichen Licht glänzen (OMG, dass ich das mal schreiben würde...).

Freitag, 20. Juni 2014

Latzes WM: Tipp-Update

Ein kurzer Blick auf meine Tipps vor der WM sagen: So schlecht liege ich ja bisher nicht. Dass Spanien nicht Weltmeister wird, stimmt schon mal. Mein prophezeites Halbfinale mit Brasilien, Deutschland, Italien und Argentinien ist noch im Bereich des Möglichen - auch wenn sich noch andere Mannschaften inzwischen nachdrücklich empfohlen haben, zum Beispiel natürlich die Niederlande, Chile und Kolumbien. Den wackeligsten Kandidaten meiner Halbfinal-Vorhersage sehe ich in Brasilien. Neymar und Co. haben mich in den ersten beiden Spielen alles andere als überzeugt, und im Achtelfinale treffen sie auf Holland oder Chile. Wenn die Brasilianer sich nicht noch deutlich steigern, ist da Schicht. Und dass Jogis Jungs in der Form des ersten Spiels ein sicherer Halbfinalanwärter sind, ist aus meiner Sicht nicht diskutabel. Mögen die Spiele weitergehen.

Hier noch ein paar schöne Tops und Flops:

TOP

Robin van Persies Vater

Twitter

FLOP

Spanien

England

Dienstag, 17. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (2)

Trotz der widrigen Begleitumstände macht diese WM einfach einen Riesenhaufen Laune. Allein die 5:1-Klatsche von Robben Holland gegen die Spanier und natürlich das famose Schland-Spiel von gestern waren die Vorfreude wert. Drei Tore von der Wilden 13 (Thomas Müller), CR7 in seiner Paraderolle als beleidigte Leberwurst und Rot für Pepe, einfach nur, weil er Pepe ist - besser gehts doch kaum. Und auch die Abstrafung Uruguays durch Costa Rica war sehr unterhaltsam. Bonustrack: Zu WM-Zeiten ist Twitter einfach das grandioseste Medium, das der Mensch hätte erfinden können.

TOP:
Arjen Robben



Lukas Podolski

Thomas Müller


Cristiano Ronaldo



Pepe

Freitag, 13. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (1)

TOP:

Oliver Welke. Ich mag ihn ja eh als Fußball-Moderator, weil er die Sache immer mit dem - für mich im Fußball unverzichtbaren - richtigen Schuss Ironie angeht und trotzdem hohe Fachkenntnis mitbringt. Und es war bereits beim Eröffnungsspiel sehr wohltuend zu sehen und zu hören, dass es auch einen deutlich positiven Effekt auf Oliver Kahn hat, ein fähiges Gegenüber zu haben. Er wirkt viel lockerer, als er es noch an der Seite von Frau Müller-Hohenstein war, und wird gleichzeitig zu Statements mit mehr Substanz animiert. Dem Torwart-Titan war in früheren Zeiten sichtlich unwohl, wenn er auf die sinnfreien Fragen von KMH angestrengt - und oft vergeblich - nach brauchbaren Antworten suchen musste. Das gehört nun der Vergangenheit an. Ich werde interessiert weiter verfolgen, wie Olli und Olli sich schlagen und mir eher selten ansehen, was die degradierte KMH aus dem Mannschaftsquartier beiträgt.

FLOP:

Der Schiedsrichter des Eröffnungsspiels. Klar, wir können leicht meckern. Es ist sicher nicht leicht, Situationen innerhalb von Sekundenbruchteilen richtig zu bewerten angesichts des Drucks und der Einflüsse, die in so einem WM-Stadion auf einen niedergehen. Aber was Yuichi Nishimura da geahndet hat, war nix. Wie gesagt, es ist sicher schwer, das in einem Augenblick richtig zu bewerten. Aber ZDF-Schiedsrichterexperte Urs Meier hat es auf den Punkt gebracht: Wenn man sich in einem solchen Spiel in einer solchen Situation nicht zu 100 Prozent sicher ist, darf man keinen Elfmeter geben. Das konnte Nishimura nicht sein, denn da war nix und er hatte schlechte Sicht. Schade, dass schon nach dem ersten Spiel die Schiedsrichterleistungen und irgendwelche Verschwörungstheorien, dass Brasilien der WM-Titel zugeschustert werde (von denen ich nichts halte), im Gerede sind.

Tweet des Tages:


Donnerstag, 12. Juni 2014

Latzes WM: Lesetipps

Heute ist Anpfiff. Juhu. Endlich rollt der Ball. Meine Startgedanken zur WM hatten wir hier schon, und wie oft und was ich hier während des Turniers zum besten geben werde, weiß ich noch nicht so genau. Aber irgendwas wird es sicher sein – auch wenn es nicht einfach wird, etwas zu schreiben, was in den Weiten des Internetzes nicht schon jemand schlauer, lustiger und/oder ausführlicher formuliert hätte.

Heute gibt es deshalb ein paar Beispiele dafür. Abseits des unsäglichen Kicker gefällt mir von den Online-Sportangeboten der großen Verlagshäuser das der ZEIT am besten. Dort gibt heute zum Beispiel diesen Text über Jogi Löw zu lesen. Obligatorisch ist hier der Hinweis auf Jens Weinreich, der in seinem Blog weniger über das Geschehen auf dem Rasen, sondern mehr über die Machenschaften von FIFA, Sepp Blatter & Co. berichtet. Wer Lust hat, sich die Freude über das Spiel ein wenig durch Berichte über Korruption, Postengeschacher und Machtspielchen der Fußballfunktionäre würzen zu lassen, ist hier bestens aufgehoben. Und dann noch der Hinweis auf Frédéric Valin, der schon die vergangenen großen Turniere sehr scharfsinnig und unterhaltsam begleitet hat. Das wird er nun wieder tun – zumindest lässt das der aktuelle Beitrag seines Blogs Zum Blonden Engel hoffen.

Also, los geht’s: Habt Spaß, genießt die WM und das Drumrum.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Latzes WM: Vorspiel

Früher war ja nicht alles besser. Aber eines schon: Ich habe mich viel mehr auf eine Fußball-Weltmeisterschaft gefreut. Vier Jahre waren eine ewige Zeit, und als sie endlich überstanden war, gab es kein Halten mehr – vier Wochen Fußball nonstop, 24/7 und überhaupt und sowieso.

Diesmal freue ich mich so mittel darauf, dass es in einer Woche losgeht, da drüben in Brasilien. Schuld daran ist die FIFA daselbst, der allmächtige Weltverband, der diesen Sport an den Rand fast aller der Dinge bringt, die ihn so faszinierend machen. Das Spiel selbst kann er nicht zerstören - aber durch seine Machenschaften alle Rahmenbedingungen, die den Fußball attraktiv und mitreißend für die Menschen machen.

Zu befürchten ist, dass die WM in Brasilien von Protesten neben den Stadien begleitet werden. Die Einwohner, die die Armut in ihrem Land nicht mehr ertragen und nicht verstehen, warum Millionen verschleudert werden für Stadien, die nach dem 13. Juli niemand mehr braucht, könnten ihrem Ärger weiter Luft machen. Das Beispiel Brasilien macht besonders deutlich, wie sehr die Spitzenpolitiker und die FIFA-Bosse an den Bedürfnissen, Wünschen und Kräften des Landes und seiner Bewohner vorbei entscheiden, um sich selbst durch dieses Sportfest zu noch mehr Ansehen, Macht und Geld zu verhelfen.

Fast muss man hoffen, dass es tatsächlich zu einer Protestwelle der Bevölkerung kommt in einem Ausmaß, das die Medien nicht ignorieren können. Dann könnte in der Weltöffentlichkeit ein solcher Meinungsdruck entstehen, dass Veränderungen in der FIFA möglich werden. Nötig sind sie, das zeigen die aktuellen Nachrichten über die dubiosen Vorgänge bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Katar. Vielleicht sorgt Brasilien dafür, dass sie beginnen. Diese Hoffnung haben auch viele Journalisten, zum Beispiel die von ZEIT Online, von denen dieser äußerst treffende Kommentar zum Thema kommt.

Unter diesen Vorzeichen kann sich niemand ungetrübt auf den Kern der Sache freuen, das Turnier, den Fußball. Doch natürlich freue ich mich trotzdem darauf. Wir wollen sie sehen, die Stars, Ronaldo, Messi, Neymar, Rooney, van Persie. Stolpert Spanien nach seiner langen Erfolgsserie? Holt Brasilien den Titel im eigenen Land? Was können England, Frankreich, Italien, Holland? Wie stark sind die Underdogs? Und: Holen Jogis Jungs vielleicht doch den lang ersehnten Titel? Natürlich wollen wir diese Fragen beantwortet haben.

Ich denke schon länger nach, welches Team mein Weltmeistertipp ist. Es ist wirklich schwer. Spanien wird es nicht, Deutschland auch nicht. Gleichwohl kann ich den allgemeinen Pessimismus und die damit verknüpfte Vorhersage, die deutsche Elf werde in der Vorrunde scheitern, nicht teilen (Turniermannschaft!!!eins11). Ich denke, es wird das Halbfinale. Mein Weltmeistertipp ist – Tusch! – Argentinien. Weitere Halbfinalkandidaten: Brasilien, Italien. Gründe habe ich keine, ein reiner Gefühlstipp. Und ob diese Halbfinalkonstellation laut Spielplan überhaupt möglich ist, habe ich auch noch nicht überprüft.

Latzes WM wird es regelmäßig geben. Und wie ihr es von mir kennt, wird auch die mediale Begleitung im öffentlich-rechtlichen TV und im Netz hier und da ein Thema sein – obwohl mir das ZDF mit dem Usedomer Fußballstrand bei der EM vor zwei Jahren die Vor- und Nachberichterstattung nachhaltig verleidet hat und ich mich erst ganz vorsichtig wieder rantasten muss.

Das insgesamt thematisch doch recht schwere Vorspiel soll nun aber mit einer netten Kleinigkeit ausklingen: SPON stellt alle WM-Trikots vor und lässt sie von einem Modedesigner kommentieren. Ich persönlich finde ja das DFB-Trikot ganz nett. Wir hatten es zwar schon besser, aber ganz oft auch schon viel schlimmer.

Montag, 19. Mai 2014

Bayernfan-Jammereintrag

Ich halte viel davon, nach dem denkwürdigen DFB-Pokal-Finale dieses Wochenendes die Diskussion über technische Hilfsmittel im Fußball neu zu führen. Auch wenn ich mich natürlich über den Pokalsieg des FC Bayern freue, bleibt an einem solchen Sieg immer ein Makel haften, wenn umstrittene Schiedsrichterentscheidungen damit verbunden sind. Den Argumenten von ZEIT Online kann ich da nur beipflichten.

Gleichwohl ist es zwar menschlich verständlich, aber einer sachlichen Diskussion abträglich, wenn durch solche Situationen immer wieder orgiastische Wenn-hätte-wäre-könnte-Diskussionen vom Zaun gebrochen werden. Hätte Dortmund gewonnen, wenn das Kopfballtor von Hummels gezählt hätte? Wir werden es nie erfahren. Ein Selbstgänger ist es bei weitem nicht.

Und dann muss ich noch ein bisschen jammern. Als Anhänger des FC Bayern, der ich seit über 30 Jahren bin, macht mich dieses Ausmaß an Hass und Verachtung, dass einem zu solchen Gelegenheiten wie der aktuellen entgegenschlägt, sehr traurig. Alle hassen den FC Bayern, aber der FC Bayern hasst niemanden – so möchte ich das mal auf einen, wenn auch stark vereinfachten – Nenner bringen. Und als Grund für die unsachlichen Bestandteile solcher Debatten sehe ich, auch wenn das viele Bayern-Gegner das nicht mehr hören können und die Augen verdrehen: Neid. Eine andere Erklärung habe ich nicht, weil es keine sachliche Grundlage für all die Anschuldigungen gibt, die so im Umlauf sind.

"Der FC Bayern schwächt die direkten Gegner, indem er ihnen dank seines Reichtums die besten Spieler wegkauft."

Natürlich tut er das. Weil er es kann. Und weil jeder andere Club, ja, jeder andere Mensch es in der Position genauso machen würde. Punkt. Jeder Manager im knallharten und ausschließlich an Erfolgen orientierten Profifußball, der das aus irgendwelchen romantischen Beweggründen wie „Sportlichkeit“, „Anstand“ etc. nicht täte, hätte seinen Beruf verfehlt und wäre schneller den Job los, als er "Marco Reus" sagen kann.

"Die Bayern werden immer (!) von den Schiedsrichtern bevorteilt."

Das ist Blödsinn. Es wird im Fußball immer Fehlentscheidungen geben. Und immer werden von ihnen Spiele entschieden. Und immer wird es mal die eine, mal die andere Mannschaft treffen. Die Ukraine hat sicher noch lange dem nicht gegebenen Tor gegen England bei der EM-Vorrunde 2012 nachgetrauert. Und ob Dortmund ohne Schiedsrichterhilfe das Champions-League-Viertelfinale 2013 gegen Malaga überstanden hätte, ist auch fraglich. Für die Bundesliga belegen die Wahre Tabelle und andere Aufstellungen dieser Art, dass obige These nicht stimmt.

Natürlich bin ich selbst schuld, wenn ich während und/oder nach solchen Spielen wie am Samstag ausführlich in den sozialen Netzwerken stöbere – und trotzdem ärgere ich mich jedes Mal, wenn ich sowas wie dieses bei Twitter lesen muss, erst recht, wenn es von einem eigentlich intelligenten Zeitgenossen kommt:

Aber vielleicht gehe ich auch etwas zu rational an die Sache. Vielleicht muss ich mich damit abfinden, dass „Hass“, „Feindschaft“, Beschimpfungen und Beleidigungen zum Fußball gehören wie Tore und Titel. Umso froher bin ich, wenn nach einem solchen Sieg der Bayern gegen Dortmund niemand den BVB-Geschäftsführer Aki Watzke vor die Mikros lässt. Mit seinem regelmäßigen Gejammer wäre er für mich der Grund, den BVB nicht zu mögen, so wie andere den FC Bayern wegen Uli Hoeneß nicht mögen – wenn ich denn so denken würde. Da lobe ich mir Jürgen Klopp, der ungeachtet so mancher Entgleisung in solch großen und wichtigen Momenten wie am Samstag dann doch meist die richtigen Worte findet.

Ich bin jedenfalls froh, dass es den BVB in seiner derzeitigen Form gibt (und das nicht nur, weil er Zweiter geworden ist). Und wenn das Verletzungspech nachlässt, klappt's auch wieder mit einem Titel, bestimmt.

Freitag, 28. März 2014

Judo vs. Fußball

Ich bin gerade sehr froh, weil der Sohn den Sport gewechselt hat. Bisher war es Fußball, jetzt ist es Judo, und ich freu mich wie Bolle. Weil ich finde, den persönlichen Geschmack und die Einstellung eines jeden Andersmeindenden natürlich tolerierend, dass Judo der mit Abstand bessere Sport für Kinder im Grundschulalter ist.

Diese Überzeugung hat ihren Ursprung in meiner eigenen Erfahrung, denn ich stand selbst in meiner Kindheit auf der Judomatte, und dieser Sport hat aus einem dünnen und mäßig sportlichen Erstklässler einen vielseitig sportlichen jungen Mann gemacht, möchte ich sagen. Und was mich an diesem Sport fasziniert hat, erlebe ich nun wieder, wenn ich dem Sohn dabei zusehe.

Dass es ein Kampfsport ist, macht es ja für Schuljungs schon mal grundsätzlich interessant. Die Anzüge, die Exotik durch die japanische Sprache und die Rituale, die rund ums Judo gepflegt werden, machen es zusätzlich aufregend. Und dass sich alle Schüler erstmal still hinsetzen und nach einem kurzen Moment der Besinnung den Trainer per Verbeugung begrüßen, könnte auch einem Fußballtraining nicht schaden.

Judo fördert den gesamten Körper. Kraft, Schnelligkeit von Körper und Geist, Koordination, Gleichgewicht werden allesamt durch verschiedene Übungen gefördert, und das können viele der sonst gängigen Sportarten nicht leisten - ob Fußball, Handball, Tennis, Schwimmen oder sonst irgendwas. Die Tatsache, dass vieles beim Judo mit Raufen zu tun hat, sorgt natürlich für einen hohen Spaßfaktor. Und doch sieht man als Beobachter schon im ersten Schnuppertraining für Grundschüler, dass mehr dahintersteckt: "Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde: Zum einen das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen und zum anderen der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist."

Lange Rede, kurzer Sinn: Mitzuerleben, wie diese Philosophie die kleinen Menschen von Beginn an leitet, sofort erste Früchte trägt und ihnen zu allem Überfluss auch noch Spaß macht, fand ich toll. Beim Fußball habe ich sowas nie erlebt.

Ich mag Fußball, das wollte ich nur noch mal für alle festhalten, die das hier noch nicht mitbekommen haben sollten. Aber für Jungs im Vor- und Grundschulalter gibt es besseres. Was lernen sie dort? Laufen. Und ein bisschen Fußfertigkeit mit dem Ball. Laufen, passen, schießen. Ganz nett, aber: Das ist alles. Ach ja: Teamgeist. Ist ja schließlich ein toller Mannschaftssport. Stimmt auch, trotzdem hat das auch einen ironischen Unterton verdient, weil das immer als Totschlagphrase kommt, wenn die anderen Argumente ausgehen, und das tun sie meist schnell. Meine Beobachtung: Vor irgendwelchen teamgeistigen Dingen haben die Kids eher gelernt, wie ein möglichst telegener Torjubel á la CR7 und Zlatan funktioniert, und laufen dabei mutterseelenallein über den Platz.

Aber ich will nicht ungnädig werden: Für einige Jungs, für die der Ball die Welt ist und die schon eine gewisse Schnelligkeit und Bissigkeit für dieses Spiel in ihrer Natur haben und zu ihrem ersten Fußballtraining mitbringen, ist das eine feine Sache - doch das sind die wenigsten. Für die große Mehrheit, die das erst lernen müssen, hat Fußball als Möglichkeit der Körper- und Persönlichkeitsentwicklung einer ganzheitlich angelegten Sportart wie Judo wenig entgegenzusetzen. Schon gar nicht im kleinen Dorfclub, wo lückenhaft ausgebildetes Trainerpersonal eher die Regel als die Ausnahme ist.

Kurz und gut: Judo ist toll, und das der Sohn da ist mitmacht, ist eine große Freude. Das wollte ich damit eigentlich nur mal gesagt haben.

Donnerstag, 13. März 2014

Auch du, FC Bayern?


Oha, Uli Hoeneß ist verknackt worden. "Der Runde muss ins Eckige", wie es einige nennen.  Höhö. Na, dauert eh noch, denn schließlich gibt's ne Revision.

Ich will niemanden groß mit meinem laienhaften Rumgedenke zu dem Thema belästigen. So doll hänge ich auch nicht am Uli, um mir über Sinn und Unsinn des Strafmaßes lange den Kopf zu zermartern.

Interessant jedenfalls trotzdem, wie so ein Thema polarisiert. Die einen schreien "Hängt ihn höher!":


Die anderen sind aus der anderen Richtung unzufrieden und holen die ganz ollen Kamellen raus:


Ich persönlich finde diese Meinung ganz vernünftig:


Damit könnte ich mich am ehesten anfreunden, denn natürlich muss ein solches Vergehen schmerzhaft bestraft werden. Die Höhe der Steuerschuld - ob es nun 3,5 oder 27 Millionen Euro sind - spielt aus meiner Sicht allerdings eine zweitrangige Rolle, es geht mehr um das Vergehen an sich.

Eine andere Frage beschäftigt mich viel eher in diesem Zusammenhang: Gibt es eigentlich schon Anstrengungen, die untersuchen, ob Hoeneß nicht nur sich selbst, sondern auch dem FC Bayern auf die nun geahndete Weise zu "Ersparnissen" verholfen hat? Kürzlich, als wir in geselliger und fachkundiger Runde zusammensaßen, sagte jemand, es sei für ihn extrem schwer vorstellbar, dass das nicht so sei.

Unter ständigem Hinterfragen, ob ich da als Bayernanhänger nicht zu blauäugig bin, sage ich einfach mal: Nein, hat er nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen. Hoeneß hat dies alles mit seinem Privatvermögen veranstaltet, ganz für sich allein. Der FC Bayern dagegen wird stets gelobt für seine Professionalität. Er hat einen professionell arbeitenden Vorstand mit eigenem Finanzressort, und vor allem hat er einen Aufsichtsrat, in dem hochrangigste Wirtschaftsmanager sitzen. Sie leiten Konzerne, die den FC Bayern mal eben kaufen könnten, wenn sie wollten, und demnach haben sie einen Ruf zu verlieren, wie man so schön sagt.

Das berücksichtigend liegt es jenseits meiner Vorstellungskraft, dass Finanzakrobatik der Hoeneß'schen Machart von diesen Kontrollgremien nicht bemerkt oder gar geduldet worden sein könnte. Weit jenseits. Das lasse ich mal so als These stehen und hoffe, sie möge nie widerlegt werden. Falls doch, bitte ich um Information. Also nochmal die Frage: Weiß jemand, ob es diesbezüglich schon Ermittlungen gibt oder diese Frage zumindest schon einmal öffentlich diskutiert wurde?

Donnerstag, 27. Februar 2014

ARD und ZDF: Interviewen für Einsteiger

Eigentlich ist das hier nur ein kleiner Test. Ich wollte nur mal eben ausprobieren, wie das so klappt, wenn ich versuche, hier Tweets einzubinden. Klappt. Dann kann's ja losgehen.


Es ist ein Drama. Was ist es? Unvermögen? Routine? Schlampigkeit? Ignoranz? Ich tippe auf eine unheilvolle Mixtur aus den letzten drei. Reinhold Beckmann interviewt Bert van Marwijk nach der Pokal-Pleite seines HSV gegen den FC Bayern und leitet mit einem ausgewachsenen, staatstragenden Monolog über die Verhältnisse beim HSV und die Laufbahn van Marwijks auf die wahnsinnige, bedeutende, noch nie dagewesene und alles entscheidende Frage hin: "Haben Sie sowas schon mal erlebt?" Der Trainer antwortet mit "Nein" und hat nur ein mitleidiges Lächeln für Beckmann über, dafür, dass der den dümmsten Anfängerfehler macht und eine geschlossene Frage stellt, wo er doch einen Roman als Antwort wollte. Unfassbar peinlich. Noch peinlicher ist da nur noch Beckmanns Reaktion, der nach kurzem Verlegenheitsgelächter die kurze Antwort des Trainers als Sprachlosigkeit auslegt.


Ähnlich aufgelaufen ist der ZDF-Reporter nach dem 2:0 der Bayern im Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal, der Torhüter Manuel Neuer fragte, ob nun noch was schiefgehen könne. Neuers Antwort: "Ja, klar." Auch hier lustig die kurze, peinliche Stille, das betretene Warten und Hoffen des Reporters, ob da noch mehr kommt. Nö, nach 'ner geschossenen Frage wohl eher nicht, warum auch.

Und hier zur Erheiterung noch mal Beckmann in Ton und Bild (spannend wird's ab 5:21):

Dienstag, 18. Februar 2014

Edit, HSV und so

Keine Ahnung, was mich beim ersten Design der neuen Butterfahrt hier geritten hat. Ein bisschen fotolastig war das Ganze. Headerfoto, Hintergrundfoto - ein bisschen viel, wenn auch in den Posts ständig Fotos auftauchen. Deshalb ist es hier nun etwas schlichter, ich hoffe, es gefällt.

Vielleicht animiert mich das ja, hier jetzt auch wieder aktiver zu werden. Themen gibt es immerhin genug - allein mit dem unsäglichen HSV könnte man ganze Seiten füllen. Den HSV-Fans gilt mein ganzes Mitleid. Aufsichtsrat, Kreuzer, Jarchow - alle raus, wenn ihr mich fragt. Was die fabrizieren, tut weh. Abstieg oder nicht? Ich weiß es nicht. Wenn der HSV nicht absteigt, dann wird so weitergewurschtelt, fürchte ich. Aber nach einem Abstieg könnte der Laden ganz auseinanderfallen. Es bleibt für die Fans zu hoffen, dass Mirko Slomka es schafft, irgendwelche verborgenen Fähigkeiten aus diesem völlig verunsicherten und ohnehin nicht wirklich erstligatauglichen Kader zu holen.

Und nun ist zu allem Überfluss auch noch die HSV-Ikone Hermann Rieger gestorben. Das ist wirklich traurig und setzt der ohnehin schlimmen Situation noch eins drauf. Da kann ich dem HSV und den Fans nur wünschen, dass dieses traurige Ereignis den Verein nicht noch mehr lähmt oder gar ein böses Omen ist.

Nun ja, Themen gibt es wie gesagt zur Zeit genug. Edathy, Olympia, ADAC - es ist eine der spannenderen Zeiten für die Nachrichtenbranche momentan. Und hier sicher auch bald wieder.