Dienstag, 24. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (3)

Bevor wir zu den Tops & Flops kommen, zunächst ein paar Worte zu Deutschland-Ghana: Das war wohl das richtige Spiel, der richtige Dämpfer zur richtigen Zeit. Dennoch haben Jogis Jungs das Ganze noch einigermaßen über die Bühne bekommen. Was ich nicht verstehe: Wenn sich mit Boateng ein wichtiger Außenverteidiger im Spiel verletzt und die beiden defensiven Mittelfeldspieler einen gebrauchten Tag haben - warum kann Löw dann nicht Lahm auf Außen stellen und Schweinsteiger für Khedira bringen? Für mich wäre das die glasklare Lösung für gleich drei Probleme gewesen, die das deutsche Team in diesem Moment hatte. Ich fürchte manchmal, die Antwort lautet: Weil es zu offensichtlich ist und es jeder machen würde. Man könnte meinen, das sei ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium in Jogis Welt. Nun ja. Es geht jetzt gegen die Amis, und ich lege mich hier mal fest: Die werden weggeknallt.

Nun zu den Tops & Flops, nach diesem Lesebefehl: Jens Weinreich bei SPON - Die FIFA gewinnt immer.

TOP

Niederlande
Das war eine ganz starke Vorstellung von Oranje bisher. Die Mannschaft hat sich trotz ihrer vielen jungen und unerfahrenen Spieler robust und ohne viele Fehler präsentiert. Ich habe im Moment den Eindruck, dass da im Moment einfach alles stimmt - angefangen von Trainerguru Louis van Gaal, der gegen viel Widerstand ein neues Spielsystem eingeführt hat, über die jungen Spieler, die ganz gezielt ihre Stärken einbringen, bis hin zu den Leitwölfen de Jong, van Persie und Robben, von denen vor allem letzterer in überragender Form ist. Da ich, anders als die meisten hierzulande, den Fußball der Elftal schon immer mochte, gönne ich den Holländern den Erfolg, der, bis auf den EM-Titel 1988, dann am Ende doch ausblieb. Sie sind - noch vor der DFB-Elf - nunmehr mein WM-Favorit und - nach der DBF-Elf - auch mein Wunschsieger. 

FLOP

Brasilien
Ich möchte nicht, dass die Weltmeister werden. Und ich glaube es auch nicht. Sie haben bisher nicht annähernd die Stabilität und Geschlossenheit gezeigt wie zum Beispiel ihre potenziellen Achtelfinalgegner Holland und Chile. Chile ist es nun geworden, und ich lege mich fest: Für Brasilien ist dort Endstation. Brasilien hat sich bisher für mich nicht als Team präsentiert, dass die zweifellos großen Fähigkeiten seiner Spieler in eine Spielidee übersetzt, die nicht nur begeistern, sondern auch enge Spiele auf hohem Niveau gewinnen kann. Bisher ist das eher ein Haufen fallsüchtiger Individualisten, wovon ich Neymar ausdrücklich nicht ausnehme - er kann halt einfach nur noch mehr am Ball als der Rest. Möge es für Brasilien gegen Chile ein Spiel aus der "Kategorie Barfuß über Legosteine" werden.

Steffen Simon
Der ARD-Mann hat es dann, ergänzend zu den oben genannten Punkten, endgültig geschafft, mir das Gastgeberteam zu verleiden. Mit seinem unsäglichen Kommentar zum Spiel Kamerun-Brasilien hat er der Deutschland-Lobhudelei seines Kollegen Bartels noch einen draufgesetzt, indem er sich als Neymar- und Brasilien-Fanboy allererster Kajüte präsentierte. Obwohl das Ergebnis mit 4:1 nahelegt, dass sie tatsächlich "überragend" (Simons Lieblingswort im Zusammenhang mit Brasilianern) gespielt hätten, taten sie das bei weitem nicht. Exemplarisch dafür war das 1:1 der Kameruner, bei dem die gesamte "Weltklasseabwehr" der Gastgeber einen Totalausfall hatte. Und die Ideenlosigkeit im Offensivspiel wurde von den - zweifellos vorhandenen - Glanzlichtern Neymars und der Indisponiertheit der Defensive Kameruns kaschiert. Da bedankt sich Simon und macht aus zwei Toren Neymars, zwischen denen fast 20 Minuten und ein Gegentreffer lagen, kurzerhand einen "Doppelschlag". Zum Glück hat Mehmet Scholl die Leistung der Brasilianer dann nach dem Spiel etwas nüchterner und realistischer bewertet. Insgesamt muss ich feststellen: Das, was Simon und Bartels da momentan abliefern, lässt Béla Réthy in einem ganz neuen, angenehmen und erträglichen Licht glänzen (OMG, dass ich das mal schreiben würde...).