Posts mit dem Label medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. April 2015

Außenbords: Links aus 1515-17

Nach der Urlaubspause hier jetzt wieder ein paar Sachen zum Lesen. Es geht um Griechenland, Autofahrer, Fremdenfeindlichkeit, Kinderfotos im Netz und Fernsehen.


Der griechisch-deutsche Journalist Michalis Pantalouris erklärt, was aus seiner Sicht alles falsch läuft in der medialen Wahrnehmung Griechenlands in Deutschland. Es ist eine Menge.


Langsamfahrer-Bashing gibt es meines Erachtens viel zu wenig. Denn Langsamfahrer sind meistens auch Nichtblinker und Nicht-in-den-Rückspiegel-Gucker - und damit brandgefährlich. Das fasst dieser Text aus der PS-Welt (zugegeben, der Name ist echt gruselig) schön zusammen und deutet auch an, was viele Schleicher nicht für möglich halten würden: dass die, die auf Schleicher schimpfen, nicht zwangsläufig selbst notorische und gemeingefährliche Raser sind.

Interessanter Text über einen rechtsgesinnten Dorfprominenten in der deutschen Provinz und sein gewaltbereites Netzwerk. Erschreckend, wie man heute auch in Mitteleuropa noch mit Angst und Gewalt seine menschenverachtenden Interessen durchsetzen kann.

Warum der immer wiederkehrende Befehl "Stell keine Fotos deiner Kinder ins Netz" mit erhobenem Zeigefinger genauso falsch ist wie unreflektiertes Posten privater Dinge in den Sozialen Netzwerken, stellt Johnny Haeusler differenziert dar. Erst Nachdenken, dann Hochladen - das gilt nicht nur für Kinderfotos, sondern für alles, was ihr ins Netz stellt.


Gleiches Thema, anderer Text, ähnlich differenziert. Caspar Clemens Mierau: "Doch hört auf, anderen Eltern pauschalisierend paternalistische Ratschläge zu geben. „Kinderfotos gehören nicht ins Social Web“ ist eine Forderung, die Eltern jegliche Empathie und mediale Kompetenz abspricht. Statt dessen sollte es prinzipiell um konkretes ethisches Verhalten gehen. Kinderfotos sind ebenso wenig per se gut wie es andere Fotos sind. Doch sie sind auch nicht per se schlecht."

Die große Show der Unterhaltung | Bloggen für den den Weltfrieden die, die ich mag

Nilz Bokelberg schreibt leidenschaftlich darüber, wie deutsches Fernsehen ist und wie es sein sollte. Da kann ich nur eins kommentieren: JA!

Mittwoch, 1. April 2015

Außenbords: Links aus 1513-14

In den letzten beiden Wochen bin ich entweder nicht zum Lesen gekommen oder von der Textflut zum Flugzeugabsturz überschwemmt worden. Jedenfalls hat sich bei mir nichts festgesetzt, was ich euch hier präsentieren müsste. Deswegen heute die Außenbords-Twitterversion mit meinen Favoriten. Themen: #4U9525, Tuchel, Tatort uvm.








Samstag, 21. März 2015

Außenbords: Links aus 1512

Olympia ist diese Woche noch einmal das Thema, natürlich. Und, auch natürlich, Jan Böhmermann. Weil sein #varoufake großartig ist.


Stimmt alles, was Oliver Fritsch schreibt - bis auf die ersten drei Absätze, wo er fragt, ob wir nicht so eine Party nicht auch einfach mal feiern dürfen. Natürlich können und sollten wir solche Parties feiern. Aber nur, wenn es unsere eigenen sind, und nicht als Hofstaat für die durch und durch korrupten Spitzenfunktionäre von IOC und FIFA. Es geht nicht primär darum, gegen Olympia in Hamburg, Berlin oder Deutschland zu sein - es geht darum, grundsätzlich gegen Olympia und die entsprechenden Machenschaften des IOC zu sein.


Peter Ahrens schreibt, was er der Idee Olympischer Spiele in Hamburg an Gutem abgewinnen kann. Er meint optimistisch, dass Spiele in Hamburg einen Reformprozess im IOC hin zu kleineren, zeitgemäßeren Spielen befördern könnten.


Paul Wrusch schreibt ziemlich exakt, was Böhmermann mit seinem Video gezeigt und erreicht hat. Einverstanden.


Und hier das Video. Weil es sein muss.


Mittwoch, 11. März 2015

Außenbords: Links aus 1511


Olympia, Fußball, Social Media und Autos - das sind diesmal die Außenbords-Themen. Viel Spaß beim Lesen.


- Sie sind nicht schön, sie sind nicht schnell, sie sind nicht sparsam und bieten auch nicht übermäßig viel Platz - warum zum Henker fährt trotzdem alle Welt SUV? Ich verstehe es nicht. Dieser Text übrigens auch nicht - obwohl er versucht, Gründe zu finden. Lesenswert ist er trotzdem.


- Das ist ja Wasser auf meine Mühlen: Zeit meines Lebens werde ich Unverständnis und Verachtung jenen gegenüber hegen und auch äußern, die meinen, sie würden andere Fußballclubs und deren Anhänger hassen. Hass hat sowieso nirgends einen Platz, und schon gar nicht im Sport. Egal, aus welchen Gründen. Dieser Text bringt es anhand eines aktuellen Beispiels auf den Punkt.


- Hier mal was berufliches: Eine Umfrage sagt, dass junge Leute althergebrachte Servicekanäle wie Telefon und Post ignorieren und auch mit ihrer Versicherung per Chat und Facebook kommunizieren wollen. Mal gucken, wann die Ärmelschonerträger und Datenschützer dieser Welt das schnallen.


- "...ein Signal des Aufbruchs, der Bewegung sowie Weltoffenheit und zudem ein Bekenntnis zum Wettbewerb" könnte Olympia für Deutschland sein, sagt dieser Text. Präziser wird er kaum. Trotzdem lesenswert, weil er bei der Suche nach Gründen, warum Olympia in Hamburg oder Berlin stattfinden sollten, ganz viele findet, die dagegen sprechen.

Montag, 26. Januar 2015

"Neues aus Börnsen" ist da

Nun hab ich’s einfach mal gemacht. Ich habe eine Internetseite aus dem Boden gestampft, und sie heißt Neues aus Börnsen. Warum? Das hab ich ja hier schon beschrieben (und davor auch schon mal hier). Unser Dorf braucht mehr Information, Transparenz und Präsenz im Internetz. Es hat eine politische Kultur, die das verlangt. Und deshalb gibt es nun diese Seite.


Weil ich zwar die inhaltlichen Ideen, aber nicht im Ansatz die technischen und Programmierfähigkeiten habe, um so eine Seite komplett selbst auf die Beine zu stellen, muss ich mich in solchen Fällen Plattformen bedienen, bei denen die Infrastruktur schon vorhanden ist. Zuerst habe ich deshalb an eine Facebook-Seite gedacht, aber das ist natürlich Quatsch. Gerade bei uns auf dem Dorf hat Facebook noch immer keine flächendeckende Akzeptanz, und zur Interaktion ist eben ein eigener Account nötig. Diese Einstiegshürden sind einfach zu hoch und begrenzen die Verbreitung von vornherein. Nach weiteren Überlegungen habe ich mich deshalb für Tumblr entschieden. Es ist einfach zu bedienen und erfüllt auch meine Ansprüche an modernes, einfach strukturiertes Design.

Neues aus Börnsen ist gestaltet wie ein Blog und will versuchen, alle im Internet verfügbaren aktuellen Informationen aus und über Börnsen zusammenzutragen und zu sammeln, um daraus im Idealfall ein Forum und Diskussionsort für unser Dorf im Internet entstehen lassen – sozusagen einen virtuellen Dorfplatz. Mit Absicht habe ich die Blogform und die Optik des Rasters gewählt, weil Neues aus Börnsen keine klassische Website oder eine Art Portal werden soll. Dafür gibt es die Gemeindeseite, Wikipedia und ähnliches. Vielmehr soll sie das Vorhandene ergänzen und das aktuelle Geschehen im Dorf abbilden, als eine Art Pinnwand und/oder Tageszeitung.

Zum Start dreht sich auf der Seite fast alles um das aktuelle, kontroverse Thema Gas- und Wärmedienst. Es zeigt beispielhaft, warum in Börnsen mehr Transparenz und ein frischer Wind in die Informationslandschaft gehören. Deshalb hat es auch letztlich den Anstoß gegeben, dass meine Gedanken bezüglich eines entsprechenden Internetangebots nun Wirklichkeit geworden sind. Natürlich soll die Seite in naher Zukunft bunter werden und alle Themen des Dorflebens abdecken – Termine, Veranstaltungen, Vereine, Schule, Kindergarten, Heimatfest, Fotos, Fotos, Fotos…

Ich bin ganz gespannt, wie sich die Seite entwickeln wird, ob sie im Dorf beachtet, angenommen und unterstützt wird und wie ich selbst es schaffe, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Also guckt mal rein, sagt es weiter und gebt Feedback – ick würd mir freuen. 

Mittwoch, 9. Juli 2014

Latzes WM: Top & Flop (6)

Es ist ja der Wahnsinn. 7:1. Und seitdem läuft das Internetz über vor Meldungen zu diesem fußballhistorischen Ereignis. Ich will gar keinen Roman dazu schreiben - vor allem deshalb nicht, weil dieser Halbfinalerfolg schon am Sonntag bei einer Finalniederlage wertlos werden kann. Meiner Meinung nach sagt das 7:1 nicht mal zur Hälfte etwas über die zweifellos vorhandene Stärke der deutschen Mannschaft aus. Vielmehr ist das Ergebnis zahlengewordener Beleg für das völlige Auseinanderbrechen der brasilianischen Mannschaft. Die spielerische Mittelmäßigkeit, von Experten schon während der gesamten WM beobachtet, wurde vor allem im Achtel- und Viertelfinale von dem unbändigen Willen, der Leidenschaft und der Hingabe übertüncht, mit der Scolaris Team den Titel für sein Land holen wollte. Die brasilianischen Spieler haben sich selbst einen unfassbaren Druck und eine unmenschliche Fallhöhe auferlegt, an der sie nun zerschellt sind. Das wurde gestern vor allem an dem tränenerstickten Interview von David Luiz deutlich. Individuelle Fehler, die auch Neymar und Thiago Silva nicht hätten verhindern können, führten zu den ersten beiden Toren. Anschließend ist die Mannschaft mental implodiert. Mein Mitleid gilt den Fans, deren Träume und Hoffnungen von der deutschen Mannschaft so abrupt und humorlos beerdigt wurden. Mein Mitgefühl mit der Mannschaft, die im gesamten Turnier und auch in den ersten zwanzig Minuten des Halbfinals ihr Ziel auch durch unsportliches Verhalten wie Schwalben, versteckte Fouls und Reklamationen zu erreichen suchte, hält sich in Grenzen. War es in den Spielen davor David Luiz, ist gestern besonders Marcelo in dieser Hinsicht sehr dumm aufgefallen.

Zum deutschen Team: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel (ach was!). Die Gefahr ist groß, aber ich habe bei dieser Mannschaft dennoch ein gutes Gefühl, dass sie auf dem Teppich bleibt, weiterhin kritisch mit sich selbst ist und nicht schon als gefühlter Weltmeister ins Finale geht - denn das wird ein ganz neues und ein sehr schweres Spiel. Bei meinem Gegnerwunsch bin ich zwiegespalten. Ich mag wie gesagt die Holländer und gönne ihnen schon grundsätzlich, aber auch speziell der aktuellen Mannschaft bei dieser WM jeden Erfolg. Und weil ich sie gleichzeitig für sehr gefährlich halte, hätte ich als Gegner gern Argentinien, da wäre mir wohler. Da gibt es nämlich Parallelen zu Brasilien: Messi und sonst nix.
TOP
Béla Réthy
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache: Ich mochte das, was Béla Réthy da im Halbfinale so erzählt hat. Das war - vor allem in der ersten Halbzeit - ein trotz des Spielverlaufs angenehmer, sachlicher und trotzdem durch die Augen des ungläubig staunenden Fußballfans vorgetragener Kommentar. Auch für die Schock- und Trauermomente der Brasilianer fand er die richtigen Worte, nicht zu nüchtern, nicht zu platt emotionsheischend. Er hat damit den Aufwärtstrend, den er in meiner Wahrnehmung während dieser WM eingeschlagen hat, fortgesetzt. Auch wenn er dann in der zweiten Halbzeit, als aus dem Spiel weitgehend die Luft raus war, wieder in die übliche Statistik- und Anekdötchenplauderei abglitt, kann ich nur sagen: Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Zum Beispiel, dass uns Tom Bartels am Sonntag das Finale erzählt.


 FLOP
Mesut Özil
Ja, ich weiß: Özil-Bashing kommt langsam aus der Mode. Weil es jeder macht, und weil es in seiner Masse und Wucht vielleicht auch oft dem Können dieses Mannes dann doch nicht gerecht wird. Aber ich kann nicht anders, auch und gerade nach dem gestrigen Halbfinale nicht. Ja, er ist von der Anlage ein genialer Spieler und hat auch in diesem Turnier schon seine lichten Momente gezeigt. Und ja, vielleicht sind es schon im nächsten Spiel zwei dieser Momente, mit denen er die Entscheidung bringt. Aber: Das können inzwischen auch andere in der deutschen Mannschaft mindestens genauso gut. Und die leisten sich zumindest momentan nicht diese Unfassbarkeiten im Hinblick auf Einsatz und Körpersprache wie Özil. Schlampige Pässe, schlampige Passannahme (dem Ball entgegengehen, das lernt man schon in der E-Jugend), null Torgefahr - bei allen Ideen, die er zwischendurch zeigt, ist das mein Haupteindruck. Und dann diese Teilnahmslosigkeit nach Ballverlust. Macht mich fertig. Zumindest aber polarisiert Özil offenbar. Interessant ist nämlich, wie unterschiedlich er in den verschiedenen Sportredaktionen bewertet wird. Zwei Beispiele:
  • SPOX: "Verlor die ersten Zweikämpfe allesamt, wirkte zögerlich statt entschlossen. Dann die schlaue Vorarbeit zu Khediras Chance, die für sein persönliches Spiel zum Türöffner wurde. Von da an unglaublich gut in Bewegung, jederzeit anspielbar, für den Gegner nicht zu greifen und mit guten Ideen beim letzten Pass. Lediglich ein eigener Treffer blieb ihm in seinem bisher besten Turnierspiel verwehrt, auch bei der hundertprozentigen Chance kurz vor dem Ende. Note 1" (Anmerkung von mir: Bei der Notenvergabe haben sich die Kollegen das Spässken erlaubt, allen deutschen Spielern eine 1 und allen Brasilianern die 6 zu geben.)

  • Süddeutsche: "Führte sich mit einem amüsanten Ausrutscher und dem üblichen ersten verlorenen Zweikampf ein. Den zweiten Zweikampf verlor er auch, Bedenken kamen auf. Schien die physische Komponente verweigern zu wollen. Blieb dem Gegner fern, als fürchtete er sich vor ihm. Man muss das so klar sagen: An ihm lag es nicht, dass die Deutschen erst ins Spiel fanden und anschließend gleich den Willen des Gegners brachen. Kombinierte danach gefällig mit."

Freitag, 27. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (4)

TOP

Jogis Jungs
Seit gestern habe ich ein unerschütterliches Vertrauen darin, dass die deutsche Mannschaft das Zeug zum Titel hat. Ich weiß natürlich genauso wenig wie alle anderen, ob es klappt oder nicht, denn das hängt ja neben der allgemeinen und grundsätzlichen Verfassung des Teams auch ganz stark von der Tagesform und anderen wenig beeinflussbaren Dingen ab. Aber sie können. Was sie gegen die USA gezeigt haben, war nicht übermäßig unterhaltsam oder gar furios, aber zumindest für mich überzeugend und souverän. Mein Halbfinal-Tipp: Chile-Niederlande, Deutschland-Argentinien.



FLOP

ARD@Klinsi
Etwas geärgert habe ich mich über die Berichterstattung der ARD in dieser Woche, in der Jürgen Klinsmann zum Alleinverantwortlichen für einen "Riesenhype" rund um Soccer in den Staaten gemacht wurde. Dass Fußball in den USA sich entwickelt und immer mehr Kids und Collegestudenten dem runden statt dem eiigen Leder nachjagen, ist ja nicht ganz neu. Und die Bilder von großen Public-Viewing-Crowds lügen sicher auch nicht. Aber die ARD-Berichte haben den Eindruck erweckt, das sei nur Klinsmanns Verdienst. Kaum zu glauben, wo er sich doch erst unlängst viele Feinde gemacht haben soll mit der Aussage, die USA könnten unmöglich Weltmeister werden. Nun habe er dagegen den Soccer von "Randsport zum Mainstream" gebracht. Darunter machen's die ARD-Leute nicht. Fazit: Etwas mehr Sachlichkeit und Ambivalenz und weniger Oberflächlichkeit und Hochjubeln des deutschen Könnens, das angeblich ständig Menschen in aller Welt zu Höchstleistungen treibt, wäre schön in der von Gebühren finanzierten Berichterstattung. Danke.


Dienstag, 24. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (3)

Bevor wir zu den Tops & Flops kommen, zunächst ein paar Worte zu Deutschland-Ghana: Das war wohl das richtige Spiel, der richtige Dämpfer zur richtigen Zeit. Dennoch haben Jogis Jungs das Ganze noch einigermaßen über die Bühne bekommen. Was ich nicht verstehe: Wenn sich mit Boateng ein wichtiger Außenverteidiger im Spiel verletzt und die beiden defensiven Mittelfeldspieler einen gebrauchten Tag haben - warum kann Löw dann nicht Lahm auf Außen stellen und Schweinsteiger für Khedira bringen? Für mich wäre das die glasklare Lösung für gleich drei Probleme gewesen, die das deutsche Team in diesem Moment hatte. Ich fürchte manchmal, die Antwort lautet: Weil es zu offensichtlich ist und es jeder machen würde. Man könnte meinen, das sei ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium in Jogis Welt. Nun ja. Es geht jetzt gegen die Amis, und ich lege mich hier mal fest: Die werden weggeknallt.

Nun zu den Tops & Flops, nach diesem Lesebefehl: Jens Weinreich bei SPON - Die FIFA gewinnt immer.

TOP

Niederlande
Das war eine ganz starke Vorstellung von Oranje bisher. Die Mannschaft hat sich trotz ihrer vielen jungen und unerfahrenen Spieler robust und ohne viele Fehler präsentiert. Ich habe im Moment den Eindruck, dass da im Moment einfach alles stimmt - angefangen von Trainerguru Louis van Gaal, der gegen viel Widerstand ein neues Spielsystem eingeführt hat, über die jungen Spieler, die ganz gezielt ihre Stärken einbringen, bis hin zu den Leitwölfen de Jong, van Persie und Robben, von denen vor allem letzterer in überragender Form ist. Da ich, anders als die meisten hierzulande, den Fußball der Elftal schon immer mochte, gönne ich den Holländern den Erfolg, der, bis auf den EM-Titel 1988, dann am Ende doch ausblieb. Sie sind - noch vor der DFB-Elf - nunmehr mein WM-Favorit und - nach der DBF-Elf - auch mein Wunschsieger. 

FLOP

Brasilien
Ich möchte nicht, dass die Weltmeister werden. Und ich glaube es auch nicht. Sie haben bisher nicht annähernd die Stabilität und Geschlossenheit gezeigt wie zum Beispiel ihre potenziellen Achtelfinalgegner Holland und Chile. Chile ist es nun geworden, und ich lege mich fest: Für Brasilien ist dort Endstation. Brasilien hat sich bisher für mich nicht als Team präsentiert, dass die zweifellos großen Fähigkeiten seiner Spieler in eine Spielidee übersetzt, die nicht nur begeistern, sondern auch enge Spiele auf hohem Niveau gewinnen kann. Bisher ist das eher ein Haufen fallsüchtiger Individualisten, wovon ich Neymar ausdrücklich nicht ausnehme - er kann halt einfach nur noch mehr am Ball als der Rest. Möge es für Brasilien gegen Chile ein Spiel aus der "Kategorie Barfuß über Legosteine" werden.

Steffen Simon
Der ARD-Mann hat es dann, ergänzend zu den oben genannten Punkten, endgültig geschafft, mir das Gastgeberteam zu verleiden. Mit seinem unsäglichen Kommentar zum Spiel Kamerun-Brasilien hat er der Deutschland-Lobhudelei seines Kollegen Bartels noch einen draufgesetzt, indem er sich als Neymar- und Brasilien-Fanboy allererster Kajüte präsentierte. Obwohl das Ergebnis mit 4:1 nahelegt, dass sie tatsächlich "überragend" (Simons Lieblingswort im Zusammenhang mit Brasilianern) gespielt hätten, taten sie das bei weitem nicht. Exemplarisch dafür war das 1:1 der Kameruner, bei dem die gesamte "Weltklasseabwehr" der Gastgeber einen Totalausfall hatte. Und die Ideenlosigkeit im Offensivspiel wurde von den - zweifellos vorhandenen - Glanzlichtern Neymars und der Indisponiertheit der Defensive Kameruns kaschiert. Da bedankt sich Simon und macht aus zwei Toren Neymars, zwischen denen fast 20 Minuten und ein Gegentreffer lagen, kurzerhand einen "Doppelschlag". Zum Glück hat Mehmet Scholl die Leistung der Brasilianer dann nach dem Spiel etwas nüchterner und realistischer bewertet. Insgesamt muss ich feststellen: Das, was Simon und Bartels da momentan abliefern, lässt Béla Réthy in einem ganz neuen, angenehmen und erträglichen Licht glänzen (OMG, dass ich das mal schreiben würde...).

Freitag, 13. Juni 2014

Latzes WM: Top & Flop (1)

TOP:

Oliver Welke. Ich mag ihn ja eh als Fußball-Moderator, weil er die Sache immer mit dem - für mich im Fußball unverzichtbaren - richtigen Schuss Ironie angeht und trotzdem hohe Fachkenntnis mitbringt. Und es war bereits beim Eröffnungsspiel sehr wohltuend zu sehen und zu hören, dass es auch einen deutlich positiven Effekt auf Oliver Kahn hat, ein fähiges Gegenüber zu haben. Er wirkt viel lockerer, als er es noch an der Seite von Frau Müller-Hohenstein war, und wird gleichzeitig zu Statements mit mehr Substanz animiert. Dem Torwart-Titan war in früheren Zeiten sichtlich unwohl, wenn er auf die sinnfreien Fragen von KMH angestrengt - und oft vergeblich - nach brauchbaren Antworten suchen musste. Das gehört nun der Vergangenheit an. Ich werde interessiert weiter verfolgen, wie Olli und Olli sich schlagen und mir eher selten ansehen, was die degradierte KMH aus dem Mannschaftsquartier beiträgt.

FLOP:

Der Schiedsrichter des Eröffnungsspiels. Klar, wir können leicht meckern. Es ist sicher nicht leicht, Situationen innerhalb von Sekundenbruchteilen richtig zu bewerten angesichts des Drucks und der Einflüsse, die in so einem WM-Stadion auf einen niedergehen. Aber was Yuichi Nishimura da geahndet hat, war nix. Wie gesagt, es ist sicher schwer, das in einem Augenblick richtig zu bewerten. Aber ZDF-Schiedsrichterexperte Urs Meier hat es auf den Punkt gebracht: Wenn man sich in einem solchen Spiel in einer solchen Situation nicht zu 100 Prozent sicher ist, darf man keinen Elfmeter geben. Das konnte Nishimura nicht sein, denn da war nix und er hatte schlechte Sicht. Schade, dass schon nach dem ersten Spiel die Schiedsrichterleistungen und irgendwelche Verschwörungstheorien, dass Brasilien der WM-Titel zugeschustert werde (von denen ich nichts halte), im Gerede sind.

Tweet des Tages:


Donnerstag, 12. Juni 2014

Latzes WM: Lesetipps

Heute ist Anpfiff. Juhu. Endlich rollt der Ball. Meine Startgedanken zur WM hatten wir hier schon, und wie oft und was ich hier während des Turniers zum besten geben werde, weiß ich noch nicht so genau. Aber irgendwas wird es sicher sein – auch wenn es nicht einfach wird, etwas zu schreiben, was in den Weiten des Internetzes nicht schon jemand schlauer, lustiger und/oder ausführlicher formuliert hätte.

Heute gibt es deshalb ein paar Beispiele dafür. Abseits des unsäglichen Kicker gefällt mir von den Online-Sportangeboten der großen Verlagshäuser das der ZEIT am besten. Dort gibt heute zum Beispiel diesen Text über Jogi Löw zu lesen. Obligatorisch ist hier der Hinweis auf Jens Weinreich, der in seinem Blog weniger über das Geschehen auf dem Rasen, sondern mehr über die Machenschaften von FIFA, Sepp Blatter & Co. berichtet. Wer Lust hat, sich die Freude über das Spiel ein wenig durch Berichte über Korruption, Postengeschacher und Machtspielchen der Fußballfunktionäre würzen zu lassen, ist hier bestens aufgehoben. Und dann noch der Hinweis auf Frédéric Valin, der schon die vergangenen großen Turniere sehr scharfsinnig und unterhaltsam begleitet hat. Das wird er nun wieder tun – zumindest lässt das der aktuelle Beitrag seines Blogs Zum Blonden Engel hoffen.

Also, los geht’s: Habt Spaß, genießt die WM und das Drumrum.

Donnerstag, 13. März 2014

Auch du, FC Bayern?


Oha, Uli Hoeneß ist verknackt worden. "Der Runde muss ins Eckige", wie es einige nennen.  Höhö. Na, dauert eh noch, denn schließlich gibt's ne Revision.

Ich will niemanden groß mit meinem laienhaften Rumgedenke zu dem Thema belästigen. So doll hänge ich auch nicht am Uli, um mir über Sinn und Unsinn des Strafmaßes lange den Kopf zu zermartern.

Interessant jedenfalls trotzdem, wie so ein Thema polarisiert. Die einen schreien "Hängt ihn höher!":


Die anderen sind aus der anderen Richtung unzufrieden und holen die ganz ollen Kamellen raus:


Ich persönlich finde diese Meinung ganz vernünftig:


Damit könnte ich mich am ehesten anfreunden, denn natürlich muss ein solches Vergehen schmerzhaft bestraft werden. Die Höhe der Steuerschuld - ob es nun 3,5 oder 27 Millionen Euro sind - spielt aus meiner Sicht allerdings eine zweitrangige Rolle, es geht mehr um das Vergehen an sich.

Eine andere Frage beschäftigt mich viel eher in diesem Zusammenhang: Gibt es eigentlich schon Anstrengungen, die untersuchen, ob Hoeneß nicht nur sich selbst, sondern auch dem FC Bayern auf die nun geahndete Weise zu "Ersparnissen" verholfen hat? Kürzlich, als wir in geselliger und fachkundiger Runde zusammensaßen, sagte jemand, es sei für ihn extrem schwer vorstellbar, dass das nicht so sei.

Unter ständigem Hinterfragen, ob ich da als Bayernanhänger nicht zu blauäugig bin, sage ich einfach mal: Nein, hat er nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen. Hoeneß hat dies alles mit seinem Privatvermögen veranstaltet, ganz für sich allein. Der FC Bayern dagegen wird stets gelobt für seine Professionalität. Er hat einen professionell arbeitenden Vorstand mit eigenem Finanzressort, und vor allem hat er einen Aufsichtsrat, in dem hochrangigste Wirtschaftsmanager sitzen. Sie leiten Konzerne, die den FC Bayern mal eben kaufen könnten, wenn sie wollten, und demnach haben sie einen Ruf zu verlieren, wie man so schön sagt.

Das berücksichtigend liegt es jenseits meiner Vorstellungskraft, dass Finanzakrobatik der Hoeneß'schen Machart von diesen Kontrollgremien nicht bemerkt oder gar geduldet worden sein könnte. Weit jenseits. Das lasse ich mal so als These stehen und hoffe, sie möge nie widerlegt werden. Falls doch, bitte ich um Information. Also nochmal die Frage: Weiß jemand, ob es diesbezüglich schon Ermittlungen gibt oder diese Frage zumindest schon einmal öffentlich diskutiert wurde?

Donnerstag, 27. Februar 2014

ARD und ZDF: Interviewen für Einsteiger

Eigentlich ist das hier nur ein kleiner Test. Ich wollte nur mal eben ausprobieren, wie das so klappt, wenn ich versuche, hier Tweets einzubinden. Klappt. Dann kann's ja losgehen.


Es ist ein Drama. Was ist es? Unvermögen? Routine? Schlampigkeit? Ignoranz? Ich tippe auf eine unheilvolle Mixtur aus den letzten drei. Reinhold Beckmann interviewt Bert van Marwijk nach der Pokal-Pleite seines HSV gegen den FC Bayern und leitet mit einem ausgewachsenen, staatstragenden Monolog über die Verhältnisse beim HSV und die Laufbahn van Marwijks auf die wahnsinnige, bedeutende, noch nie dagewesene und alles entscheidende Frage hin: "Haben Sie sowas schon mal erlebt?" Der Trainer antwortet mit "Nein" und hat nur ein mitleidiges Lächeln für Beckmann über, dafür, dass der den dümmsten Anfängerfehler macht und eine geschlossene Frage stellt, wo er doch einen Roman als Antwort wollte. Unfassbar peinlich. Noch peinlicher ist da nur noch Beckmanns Reaktion, der nach kurzem Verlegenheitsgelächter die kurze Antwort des Trainers als Sprachlosigkeit auslegt.


Ähnlich aufgelaufen ist der ZDF-Reporter nach dem 2:0 der Bayern im Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal, der Torhüter Manuel Neuer fragte, ob nun noch was schiefgehen könne. Neuers Antwort: "Ja, klar." Auch hier lustig die kurze, peinliche Stille, das betretene Warten und Hoffen des Reporters, ob da noch mehr kommt. Nö, nach 'ner geschossenen Frage wohl eher nicht, warum auch.

Und hier zur Erheiterung noch mal Beckmann in Ton und Bild (spannend wird's ab 5:21):

Mittwoch, 19. Februar 2014

Ich habe Zeitung gelesen

Ja, ich habe Zeitung gelesen. Seit langer Zeit mal wieder. Krass, oder? Und ich habe festgestellt, dass mir das Medium, dem ich das Fundament für mein Berufsleben verdanke, fremd geworden ist.

Platt gesagt: Es langweilt mich einfach, Nachrichten zu lesen, die ich schon kenne. Schon seit einem Tag. "Es gibt nichts älteres als die Zeitung von gestern", hieß es immer. Das stimmt, aber die Zeitung von heute ist auch nicht besser. Sie ist das Internet von gestern.

Für mich persönlich kann die Zeitung einiges sehr gut, aber nichts besser als das Internet. Außer vielleicht, dass sie Faulheit bedient. Ich würde nicht sagen, dass ich in der Zeitung die besser recherchierten, besser geschriebenen oder besser wasauchimmer Texte finde. Der einzige Vorteil der Zeitung ist, dass die Themen mir schon ausgewählt wurden und nun in einer hübsch strukturierten Sammlung vorgesetzt werden.

Im Internet muss ich mir alles selbst zusammensuchen. Wo finde ich die schnellsten Nachrichten? Wo die besten? Wo finde ich alles zu meinen Lieblingsthemen? Das macht erstmal Arbeit, doch am Ende habe ich eine Mediensammlung, die jede Zeitung schlägt. Sie enthält nämlich nur Sachen, die mich interessieren.

Im aktuellen Fall las ich eine Wochenzeitung, nämlich die FAS. Die macht vieles schon ganz gut, schön geschriebene Artikel, interessante Themen. Doch irgendwie hat mich das nicht vom Sitz gerissen. Eine Stunde im Internet, und ich bin ebenso gut unterhalten und informiert.

Es gibt immer noch viele, die lieber Zeitung lesen. Der Augen zuliebe, oder weil sie einfach zu schätzen wissen, dass ihnen die Redaktion das auf ein Paar Blatt Papier zusammenstellt, was sie sich im Netz erst zusammensuchen müssten. Oder weil sie schlicht nicht die Möglichkeit oder das Bedürfnis haben, ständig einen Bildschirm vor der Nase zu haben. Das ist auch gut so.

Für mich ist diese Medienform jedoch nutzlos geworden, weil ich tagtäglich mit elektronischen Medien arbeite und die Zeitung schlicht nichts bietet, was diese nicht können. Das ist irgendwie traurig, aber nicht zu ändern. Das habe ich am Sonntag festgestellt.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Über Zeit und Raum

Ist es erstrebenswert, dass das Kind schon im Grundschulalter einen vollen Terminplan hat und pausenlos "gefördert" wird? Und ist es erstrebenswert, dass es später um jeden Preis Abitur, eiligen Studienabschlüssen und Managerkarrieren nachläuft?

Viele denken heutzutage offenbar: Ja. Ich bin mir da nicht so sicher. Als Eltern fragt man sich solche Fragen ja öfter mal. Jetzt, wo der Sohn in der ersten Klasse ist, sogar noch öfter. Man versucht, zu ergründen: Welche Wünsche hat er? Welche Ziele? Welche Sorgen, welche Ängste? Wie geht er mit ihnen um? Beobachten, sich Zeit nehmen - das ist wichtig. Und: dem Kind Zeit und Raum geben, sich zu finden und zu entwickeln, eigene Interessen zu entdecken.

Andere Kinder in dem Alter, man sieht und liest es immer wieder, haben schon ein ambitioniertes Programm: Fußball, Schwimmen, Musikschule, Schachclub. Muss das sein? Die Zeit, das Kind hin und her zu kutschieren, könnten viele lieber damit verbringen, sich selbst mit dem Kind zu beschäftigen - oder es sich mit sich selbst beschäftigen zu lassen. Denn auch das ist nötig und wichtig. Finde ich, und findet die Autorin dieses schönen Textes, den ich kürzlich las.

Überhaupt ist Lesen toll. Das Kind sollte lesen. Eltern denen es gelingt, das Kind zu vielem Lesen zu animieren, oder die das Glück haben, dass es von allein diese Leidenschaft entdeckt, können glücklich sein. Es gibt viel zu lesen, es öffnet Türen zu neuen Welten.

Ja, auch im Internet. Da kann man auch lesen. Zum Beispiel tolle Artikel wie diesen über einen Handwerksburschen, der auf der Walz war. Ich wäre stolz, wenn mein Sohn so etwas machte - ebenso stolz, als wenn er Arzt, Anwalt, Bänker oder sonstwas managerhaft-erfolgreiches würde. Kaum noch vorstellbar ist sowas in der voll vernetzten Gegenwart, mit einem omnipräsenten Internet und der Vorstellung, dass ein "Arbeitsplatz" gefühlt immer mit einem Büro und einem Computer verbunden ist. Doch dieses Interview ist wunderbar und zeigt uns Schreibtischmenschen, dass es auch ein anderes Leben gibt, in dem wir uns Räume öffnen können und sollten, die Welt, andere Menschen und uns selbst zu entdecken. Das sollten wir nicht vergessen.

Freitag, 27. September 2013

Kleiner #BuViSoCo-Review

Natürlich wieder Bundesvision Song Contest geguckt, wie immer. Diese Sendung einmal im Jahr ist nett, man sieht einfach mal neue deutsche Bands und erweitert den musikalischen Horizont. Da hat Stefan Raab eine gute Sache auf die Beine gestellt.

Die gestrige Sendung war unterhaltsam. Es gab:
  • einen Vollflop aus Mecklenburg-Vorpommern (der, wie ich gerade feststelle, bei YouTube deutlich besser klingt als auf der Bühne)
  • mit Bosse und So oder so den würdigen Sieger
  • zum Glück nur den zweiten Platz für Johannes Oerding - war zwar der Hamburger Verteter, aber mit seiner Musik komm ich einfach nicht klar
  • sehr lustige und überraschend gute Vorträge von DCVDNS aus dem Saarland und Keule aus Brandenburg
Das ist bei mir hängengeblieben. Viel mehr will ich auch gar nicht schreiben, denn ich habe gerade festgestellt, dass die Kollegen von Spiegel online eine gute und mit meinen Beobachtungen größtenteils übereinstimmende Zusammenfassung verfasst haben. Treffendste Feststellung über die mit einem Rock aus Dachpappe bekleidete Co-Moderatorin: "Beste Leerstelle: Co-Moderatorin Sandra Rieß. Was genau soll die da?"

Auch schön ist ein dort zitierter Tweet: "Letztlich läuft es doch darauf hinaus, welches Bundesland sich am wenigsten schämen muss." Da ist viel Wahres dran, und zum Glück hat sich meine Heimat Schleswig-Holstein gestern keineswegs blamiert. Die 17-jährige Luna Simao aus Lübeck hat dieses wirklich schöne Lied vorgetragen:

Mittwoch, 11. September 2013

Segeln vom anderen Stern

Das hätte wirklich niemand gedacht. Dieser America's Cup, der da gerade läuft, ist wirklich ein Knaller. Wie Phönix aus der Asche zeigt die aktuelle Ausgabe des größten, ältesten, traditionsreichsten, ja: berühmtesten Segelwettkampfs der Welt das, was sie soll: Action, Spannung und spektakuläre Bilder. Die fliegenden Riesenkatamarane brettern mit fast 80 Sachen durch die San Francisco Bay wie Fahrzeuge von einem anderen Stern.

Das hätte deshalb niemand gedacht, weil der America's Cup insgesamt seit Jahren eine eher unwürdige Veranstaltung ist. Auseinandersetzungen über Regeln und Bootsspezifikationen, die bisweilen auch vor Gericht enden, haben den Sport an die Seite gedrängt. So war es schon 2010, als das US-Team, das von dem Softwaregiganten Oracle und dessen milliardenschweren Chef Larry Ellison befeuert wird, den Cup holte. Ellison und die Cup-Legende Russell Coutts als sein Mastermind bauten dann ein neues Regattaformat mit Katamaranen, das sich als horrend teuer erwies und zugleich dem Verteidiger große Vorteile zu verschaffen schien. Wenig Teilnehmer, wenig Spannung, die Segelwelt war ernüchtert.

Doch nun, im großen Finale, kommt es anders. Spektakulärste Bilder bieten sich uns, und das Emirates Team New Zealand als Herausforderer fährt dem Oracle Team USA ziemlich um die Ohren. Das setzt dem ganzen nämlich noch die Krone auf, dass es aktuell so aussieht, als geht das ungeliebte US-Team leer aus. Die Cup-Fans versprechen sich einiges davon, falls die Neuseeländer gewinnen und das Format des nächsten Cups bestimmen können.

Langer Text, kurzer Sinn: Schaut Euch das mal an. Die Boote und die Action sind wirklich sehenswert. Alle bisherigen Rennen (fünf von - nach aktuellem Stand - mindestens zehn und maximal 19 Rennen sind absolviert) gibt's bei YouTube zu sehen, und da werden auch die weiteren live übertragen. Das nächste startet am morgigen Donnerstag um 22 Uhr. Und wem Kabel oder Satellit den Sender ServusTV auf die Mattscheibe liefert, der kann es sogar live im Fernsehen sehen. Für die, die auch gern etwas drüber lesen, empfehlen sich die Berichte von Carsten Kemmling bei den Segelreportern und bei Spiegel Online.

Hier ein paar Bilder als Appetithappen:

Dienstag, 3. September 2013

Lesetipp (11): TV-Duell

Zehn Minuten waren es etwa, die ich vom TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück mitbekam. Und ich sah in dieser Zeit alles, was ich auch schon vor vier Jahren sah. Ein von vorn bis hinten von PR durchdrungenes Ereignis, ohne Spannung, Reiz, Erkenntnis und irgendeinen Nutzwert. Fragen wurden weder gestellt noch beantwortet. Und das Moderatorentheater ist ein Dilemma. Ein ebenso unterirdischer Peter Kloeppel wie vor vier Jahren, Maybritt Illner, die über ihre eigenen gestelzten Sätze stolpert, und Raab, der durch seine gut vorbereitete Frechheit ein Gewinn ist gegenüber dem verkalkten Möchtegern-Seriös-Qualitätsjournalismus der Anstalten.

In dieser Form ist das schlicht überflüssig. Und am allerlächerlichsten ist, wenn ich am nächsten Morgen in der S-Bahn frisch gedruckte SPD-Flugblätter in die Hand bekomme mit dem Text: "Steinbrück gewinnt TV-Duell". Was soll ich da zuerst fragen? WTF? Oder: Na und?

Viel interessanter als das TV-Duell selbst ist da so manche Nachberichterstattung. Was der Spreeblick und Niggemeier dazu schreiben, kann ich nur unterstützen. Und auch diese ZEIT-Kolumne bietet interessante Sichtweisen. Lesen lohnt.