Freitag, 30. Januar 2015

Anonyme Kommentare - ja bitte!

Nun wisst Ihr ja von der kleinen Seite, die ich für unser Dorf auf die Beine stelle. Da dachte ich mir, dass vielleicht noch ein kleiner Blick in den Maschinenraum interessant wäre. Neulich schickte ich eine kleine Rundmail an ehrenamtliche Funktionsträger im Dorf, um ein bisschen die Werbetrommel zu rühren. Eine Antwort, die ich bekam, enthielt ein Statement, das mich kurz schlucken ließ und das ich natürlich nicht unwidersprochen ließ. Es drehte sich um die anonymen Kommentare, die es zu meiner kleinen Dorfbestandsaufnahme gibt, und ging so:

"Nach der anfänglichen Begeisterung für Ihr Vorhaben wurde, nach dem einklicken in Ihren Blog, jedoch mein Unbehagen immer größer. Als gelernter Journalist, wie Sie sich bezeichnen, ist Ihnen die Wertigkeit von anonymen Schreiberlingen bekannt. Für mich kommen diese Leute aus der Schublade 'Dummschnacker und Schlauschwätzer' und schreiben nur emotionalen Müll. Wenn ich etwas kritisiere, so kennzeichne ich das mit meinem Namen. Schade, dass Sie so etwas als Blogadmin zulassen."

Oha. Starker Tobak. Das konnte nicht ungekontert bleiben, dachte ich mir.
Hier ein Auszug aus meiner Antwort:

"Ich stimme mit Ihnen überein, dass ich anonyme Kommentare weniger gern habe als solche, die mit Namen versehen sind. Doch die Art, mit der Sie anonyme Kommentatoren allgemein bewerten, habe ich persönlich als herablassend und abqualifizierend empfunden und möchte ihr entschieden widersprechen. Denn jeder Kommentar, ob anonym oder nicht, steht für die real existierende Meinung eines Menschen, eines Bürgers. Er ist es aus meiner Sicht jederzeit wert, in einer Diskussion ernst genommen zu werden - selbstverständlich nur dann, wenn sein Inhalt es rechtfertigt. Im Umkehrschluss halte ich es für falsch, eine Meinung nur deshalb abzuqualifizieren und zu ignorieren, weil sie anonym geäußert wurde. Auch Menschen, die sich zu erkennen gegeben haben, haben in der Geschichte schon mehr als genug Unwahrheiten und 'emotionalen Müll', wie Sie es bezeichnen, verbreitet. Ich fühle mich in meiner Auffassung dadurch bestärkt, dass anonyme Kommentare in der Informations- und Diskussionswelt des Internets seit deren Entstehung wie selbstverständlich ihren Platz haben. Jede in einem Kommentar geäußerte Meinung - ob anonym oder nicht - lädt dazu ein, sie zu unterstützen, ihr zu widersprechen und ihr mit sachlichen Argumenten zu begegnen."

Warum ich diesen putzigen Meinungsaustausch für bloggenswert halte? Weil ich gerade im Netz über einen Artikel gestolpert bin, der mich in meiner Auffassung bestärkt, prägnant geschrieben ist und der Sache noch einen Aspekt, sprich: ein sehr gutes Argument für anonyme Kommentare hinzufügt. Er ist von Johnny Haeusler und heißt "Hetzer brauchen keine Anonymität im Netz - andere hingegen umso mehr" – lest mal.