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Freitag, 9. Januar 2015

Musik gesehen (17): Jaya the Cat

Ein Ereignis gleichbleibenden Ablaufs und gleichbleibender Qualität immer wieder neu zu umschreiben, ist ja auch irgendwie suboptimal. Um einen Eindruck zu bekommen, wie grandios mein jüngster Besuchs eines Auftritts der Band Jaya the Cat im Knust ausfiel, genügt es deshalb, meine Berichte der vorherigen Male zu sichten - sie stehen hier, hier, hier und hier. Aktuell zu ergänzen gäbe es allenfalls, dass das Konzert dieses Mal ein wenig kurz war - die knappen gut 80 Minuten Spielzeit wurden nur inklusive Zugaben erreicht. Der dafür drohende Punktabzug bleibt aber aus, weil ich zum ersten Mal in meiner Karriere als Konzertbesucher erlebte, dass die Band nach Aufleuchten des Saallichts und Erklingen von Konservenmusik als untrügliche Signale, dass es nun wirklich keine Zugabe mehr gibt, noch eine Zugabe gab. Das ist irgendwie grandios. Und natürlich muss erwähnt werden, dass die Band wieder ihrem Motto "More Christmas drinking with..." treu blieb und fleißig Getränke von der Bühne verteilte - und zwar nicht nur irgendeinen Fusel, sondern auch den leckeren Laphroaig 10. 10 Extrapunkte.

Und auch diesmal gibt es ein Video von einem Song des Konzerts bei YouTube. Bittesehr.

Dienstag, 10. Juni 2014

Musik gesehen (16): Metallica (und Co.)


Bevor das WM-Fieber ausbricht, muss ich das hier noch schnell loswerden. Ich habe Metallica gesehen. Naja, mehr oder weniger. Aber vor allem gehört. Und das war geil. Da will ich gern etwas weiter ausholen.

Ende 2013 war es, dass die Nachricht erging, im Juni 2014 gebe es ein Festival in Hamburg, Sonisphere genannt, bei dem auch Metallica spielen würden. „Oh“, dachte ich – und als ich das zu Ende gedacht hatte, waren die Tickets auch schon weg. Zum Glück habe ich eine treusorgende Gattin, die hinter meinem Rücken einiges in Bewegung setzte, um doch noch ein Ticket zu ergattern und es mir unter den Weihnachtsbaum zu legen. So weit, so herrlich.

Was da nun am vergangenen Mittwoch in der Imtech-Arena zu Stellingen stieg, war nur mit sehr viel Wohlwollen ein „Festival“ – eigentlich war es ein erweitertes Metallica-Konzert mit in diesem Fall drei Vorbands. Mit dieser Einstellung machte sich auch unsere kleine Reisegruppe auf den Weg und weilte noch außerhalb der Stadionmauern, als – wie auf den Tickets ausgewiesen – um Punkt 17:30 Uhr die Band Ghost ihre elektrischen Klampfen erklingen ließ. Als sie um ebenso präzise 18 Uhr diese Tätigkeit wieder einstellte, hatten wir immerhin noch ein paar Minuten der seltsam gewandeten Schweden mitbekommen. Ganz nette Untermalungsmusik für das Eröffnungsbierchen war das, immerhin.


Wie gesagt, erweitertes Metallica-Konzert: Zu diesem Zeitpunkt war das Stadion nicht einmal halb gefüllt. Das änderte sich auch noch nicht merklich, als Mastodon die Bühne betraten. Zwar haben die ebenfalls ganz manierlich und anhörbar metalliert, aber auch noch keine wahrnehmbaren Begeisterungsstürme im Publikum verursacht. Erst als die Thrash-Metal-Veteranen Slayer loslegten, wurde klar, dass doch nicht wirklich alle nur wegen Metallica da waren – auch der Name Slayer hatte offenbar den einen oder anderen Ticketkauf provoziert.

Spätestens jetzt oute ich mich als Late Adopter in Bezug auf Metal. Slayer kannte ich nämlich bis dahin nur dem Namen nach. Meine Bewertung: Das rockte ganz amtlich, und ein paar wirklich gefällige Songs waren durchaus dabei. Optisch allerdings waren Slayer wenig unterhaltend, denn wir sahen vier ältere, aber umso wohl genährtere Herren, die wenig mehr bewegten als Finger und Lippen, mit denen sie den Lärm erzeugten. Dem Hardcore-Metaller geht die B-Note ja bekanntlich am tätowierten Hinterteil vorbei, mir allerdings fiel das eher negativ auf, obwohl Slayer mich musikalisch durchaus überzeugten.


Dass es dann eben doch ein Metallica-Konzert mit Beiwerk war, wurde klar, als die Stars des Abends um Punkt 21 Uhr die Bühne betraten. Nun nämlich war alles zwei Nummern größer und besser als zuvor. Bei den Vorbands schmückte jeweils ein großes Banner die Bühne, zwei Riesenbildschirme im 16:9-Format rechts und links daneben zeigten das Geschehen an den Mikros in groß. Bei Metallica nun verwandelten 16 turmhohe, vertikale LED-Bänder die gesamte Bühnenfront in einen einzigen riesigen Bildschirm und zeigten, was unzählige Kameras – unter anderem je vier übereinander auf zwei Türmen im Zuschauerraum - im gesamten Stadion filmten.

Zum optischen Bombast gesellte sich akustische Perfektion, die meine Erwartungen an ein solches Stadionkonzert noch übertrafen. Und dieser technische Overkill wurde dann von James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo grandios mit Musik gefüllt. Es wirkt zwar etwas befremdlich, dass diese Band inzwischen ein so hohes Maß an Perfektion und Professionalisierung der technischen Ausstattung und des Marketings erreicht hat, weil die Metal-Szene ja eher dafür bekannt ist, Wert auf Authentizität zu legen und eine perfekt durchorganisierte Show als dem Mainstream zugehörig zu verpönen. Aber das Ergebnis ist zu überwältigend, als dass man das wirklich kritisieren könnte.

Klar wurde mir der perfekte Sound, als ich mal musste. Eigentlich hatten wir uns in der Nähe der Tonregie im vorderen Drittel platziert. Doch als nach etwa zwei Dritteln des Konzerts der Toilettengang keinen Aufschub mehr duldete, musste ich mich nach hinten zu den entsprechenden Örtlichkeiten durchschlängeln. In dem Moment, in dem mir klar wurde, dass der Weg zurück nach vorn noch ungleich beschwerlicher und langwieriger werden würde, realisierte ich auch, dass ich ihn mir sparen konnte. Der Sound war hinten genauso glasklar und laut wie weiter vorn, und auch die Megaleinwand war bestens zu erkennen.


Also blieb ich dort und erlebte das Highlight des Abends. Es wurde eingeleitet von einem Gitarrensolo Kirk Hammetts, das überging in das Intro von Nothing Else Matters. Als die ersten Töne des wohl bekanntesten und erfolgreichsten Metallica-Songs in glasklarstem Sound erklangen und die Megaleinwand nichts weiter als die Gitarre spielenden Hände Kirk Hammetts zeigte, bekam ich Gänsehaut. Dieser Song und das dann folgende Enter Sandman waren der Höhepunkt des Abends an perfekter Show und Atmosphäre. Ein Chor aus 50.000 Metallica-Fans flankierte James Hetfield beim Vortragen der jedem im Stadion bekannten Textzeilen.

Wenn ich denn überhaupt etwas kritisieren müsste, dann die Tatsache, dass leider kein Lied meines Lieblingsalbums Death Magnetic erklang, das mich erst so richtig (Late Adopter, ich erwähnte es) zum Metallica-Fan machte. Es handelte sich ja bei diesem Konzert um eines der Reihe „Metallica by request“, bei dem die Band die Fans vorher abstimmen lässt, welche Songs sie spielen soll. Das Ergebnis war eine Setlist mit 19 Songs, zu denen natürlich alle Klassiker zählten, und das war auch gut so. Mein Geschmack allerdings scheint nicht dem Metallica-Mainstream zu entsprechen – auch wenn mein Lieblingssong All Nightmare Long immerhin der bestplazierte unter den Death Magnetic-Tracks war.

Das Fazit fällt kurz aus: Großartig. Jeder, der jemals auch nur im entferntesten erwägt hat, sich Metalllica live anzuhören und zu -sehen, sollte es tun, wenn sich ihm die Chance bietet. Es lohnt sich.

Und weil es All Nightmare Long beim Konzert nicht gab, gibt's es dafür hier:

Dienstag, 7. Januar 2014

Musik gesehen (15): Jaya the Cat

"Hamburg is like Berlin made in awesome."
Geoff Lagadec

Die entsprechende Interpretation wenig erstrebenswerter Klischees legt nahe, die atmosphärische Qualität eine Rockkonzerts steige proportional mit der Intensität der Gerüche nach Schweiß, Sprit und Gras, die das Publikum verströmt. Ob es da wirklich kausale Zusammenhänge gibt, ist mir unklar, aber für den Auftritt von Jaya the Cat am vorletzten Abend des Jahres 2013 im Knust kann ich sagen: Beides - Qualität und Gerüche - trat ein.


Das Publikum in dem ausverkauften kleinen Schuppen wartete nur darauf, von der Leine gelassen zu werden. Obwohl: Man soll ja nicht nur nach Äußerlichkeiten gehen, aber vor dem Konzert erspähte ich einige Besucher direkt vor der Bühne, denen ich angesichts ihres Erscheinungsbildes unterstellte, nicht zu wissen, auf was sie sich da eingelassen hatten. Ich sollte recht behalten: Recht schnell nahmen sie reißaus, als der Pogo mit teils recht rustikalem Körpereinsatz einsetzte.

Der Rest war tanzen. Jaya the Cat bringen die Menge mit einem Fingerschnipp zum Ausrasten. Ska-Reggae-Punk FTW! Da bleibt kein T-Shirt trocken. Und die Jungs aus Amsterdam haben ihr Programm souverän präsentiert. Meines Erachtens konditionell herausgefordert, aber dennoch mit viel Einsatz und Spielfreude - und einer musikalischen Qualität, die immer weiter steigt. Der neue Gitarrist Dino Memic trägt sicher dazu bei, eine echte Bereicherung. Highlight des Abends: Die Jaya-Version von Driving Home For Christmas, gesungen von Bassist Jan Jaap Onvervagt, der mit einer ganz starken Performance überraschte, stimmlich irgendwo zwischen Chris Rea und Barry White.

Die Chemie stimmte, und das ist auch wörtlich gemeint: Die Band setzte das Motto des Abends - "More Christmas drinking with Jaya the Cat" - in die Tat um und verteilte von der Bühne aus kühle Getränke. Und sie zeigte, dass sie Hamburg irgendwie mag, nicht nur mit obigem Ausspruch von Frontmann Geoff. Ein ganz starkes Konzert war das.


Dazu trug auch das Vorspiel bei, das wie so oft Urban Majik Johnson bestritten. Die Funk-Metal-Crossover-Truppe aus Hamburg-Hamm lieferte diesmal eine musikalisch astreine Performance ab wie selten. Das war wirklich eine Freude.

So ist das Fazit kurz und knapp: ein großartiger, ausgelassener Abend, der mein Konzert-Herz erfreute und zu einem tollen Jahresabschluss beitrug. Mehr davon. Einen kleinen Eindruck vermittelt dieses Video, das tatsächlich am Montag entstand und von der Band gestern bei YouTube gepostet wurde. Schöne neue Welt.

Freitag, 13. Dezember 2013

Musik gesehen (14): Saltatio Mortis


Die musikalischen Helden der Mittelaltermärkte nun mal in einer richtigen Halle mit "richtigen" Instrumenten - ich war gespannt. Von Saltatio Mortis kannte ich bisher ihre Live-Auftritte beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum und ihr Studio-Album Sturm aufs Paradies, das mir sehr gut gefällt.

Ich mach's mal nicht so lang: Wenn das komplette Konzert in der Großen Freiheit 36 so gut gewesen wäre wie die Zugabe, wäre es überragend gewesen. Doch das war nicht der Fall, der erste Teil des Gigs hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack. Ich mag die Musik der Jungs, und sie haben sie akustisch äußerst überzeugend präsentiert - so viel ist sicher. Doch ihre Entertainerqualitäten, die ein solches Konzert erst zu einem besonderen machen und die sie auf den Mittelalterfesten bestens zur Geltung bringen, haben sie hier zurückgehalten. Routiniert haben sie ihre Songs abgespielt, und ich kann nicht umhin, zu kritisieren, dass die einzigen Wortbeiträge zwischen den Songs moralinsaure Monologe von Lasterbalk dem Lästerlichen waren, mit denen der Trommler die sozialkritischen Songs der Band wie Wachstum über alles ansagte - und das wirkte auf mich ziemlich stimmungstötend.


Trotzdem war es ein gutes Konzert und wurde dann während der recht langen Zugabe zu einem sehr guten. Die Jungs wurden lockerer, spielten starke Live-Versionen so manches Liedes und bezogen das Publikum mehr in ihre ohnehin ja stark mitgröl-kompatiblen Songs mit ein - mein Favorit an jenem Abend: Spiel mit dem Feuer. Sänger Alea ließ sich dann auch auf Händen durch den gesamten Saal tragen. So soll es sein, wenn es live ist - versöhnlicher Abschluss eines guten Konzerts.


Nicht unerwähnt bleiben soll der Auftritt von Versengold als Vorband. Die Jungs machten Spaß und war mit ihren ebenfalls zum Mitsingen animierenden Liedern genau die richtige Einstimmung.

Mittwoch, 21. August 2013

Musik gesehen (13): Wutzrock


Nun habe ich wochenlang verkündet, dass es wieder zum feinen Oakfield Festival geht, wo es ja letztes Jahr schon toll war. Aber manchmal kommt es anders: Just einen Tag zuvor entschieden wir uns um und gingen zum Wutzrock. Umsonst, draußen und gegen Rechts ist das Motto bei diesem Festival, das in diesem Jahr zum 35. Mal zwischen Elbe und Eichbaumsee im Südosten Hamburgs stattfand.

Die Logistik gab den Ausschlag. Während Oakfield in der niedersächsischen Pampa ausschließlich per längerer Autofahrt zu erreichen ist, sind wir zum Wutzrock mit der S-Bahn und einem kleinen Fußmarsch gekommen. Weil es umsonst, dicht an Hamburg und nach 35 Jahren schon eine Institution ist, kommen natürlich sehr viele zum Wutzrock. Zu viele, befürchtete ich und tat mich schwer, mich von einem Besuch beim sehr chilligen Oakfield zu verabschieden.

Doch ich wurde nicht enttäuscht. Zwar waren in der Tat sehr viele Menschen dort, und trotzdem war die Atmosphäre entspannt. Die Massen verteilten sich auf dem weitläufigen Gelände, vor den drei Bühnen und auf den Zeltplätzen. Alles entzerrte sich, das Wutzrock dauert ja auch drei Tage.
 

Und dann stimmte auch noch die Musik, denn mit der Linkslastigkeit der Gesinnung bei Publikum und Veranstaltern geht auch eine deutliche Ska-Lastigkeit des Musikprogramms einher. Damit rennt man bei mir ja bekanntlich offene Türen ein. Herrlich.

So war das ein sehr gelungener Abend, und musikalisch wurden wir von Der Fall Böse aus Hamburg und Karamelo Santo aus Argentinien bestens unterhalten. Besonders die Argentinier haben es mir angetan, das war feinster Latin-Ska, der furchtbar in die Beine geht. Gerne mehr davon. Und das Wutzrock hat mich sicher nicht zum letzten Mal gesehen - schlimm genug, dass es dieses Jahr das erste Mal war, wo es doch so dicht dran ist.