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Mittwoch, 30. Dezember 2015

Latzes Whisky | Neues und gutes Altes

Wieder einmal hatte ich das große Vergnügen, einem Whisky-Tasting in der Weinkellerei und Spirituosenmanufaktur Heinr. von Have in Hamburg-Bergedorf beizuwohnen. Rahmen und Ablauf waren von gewohnter Qualität, die ich bereits hier und hier beschrieben habe. Seniorchef Horst von Have gab in seinem launigen Beitrag Einsteigern alles nötige Grundwissen an die Hand, um zum Whiskygenießer zu werden. Fortgeschrittene hatten so Zeit und Gelegenheit, sich intensiv den ausgeschenkten Tropfen zu widmen. Da ließ ich mich wie immer nicht zweimal bitten.

Das Lineup der angebotenen Whiskys war eine gut abgestimmte Rundreise durch das schottische Whiskyangebot - mit Start in Japan -, die eine interessante Mischung aus erschwinglichen Standard-Whiskys und einigen Exoten bereithielt. Nur am Ende war die Zusammenstellung etwas unharmonisch: Auf den Höhepunkt des Abends, den quasi hauseigenen Mackmyra Rotspon Triple Wood "Abraham", folgte der Caol Ila. Letzterer ist ein sehr wohlschmeckender, sehr rauchiger Standard von der Insel Islay. Eigentlich ein guter Abschluss, doch gegen den Mackmyra, der zwar ohne Rauch, aber dafür mit Fassstärke und einem vollmundigen und vielfältigen Geschmackserlebnis begeisterte, sah der Caol Ila am Ende ziemlich blass aus.

Aber das war nur ein kleiner Makel an einem ansonsten sehr gelungenen Abend. Es folgen nun meine Einzelbewertungen der verkosteten Whiskys:

Platz 8 +++ Kein überragender, aber ein guter und leichter Einstiegswhisky +++ In der Nase mit etwas Klebstoff und ersten hellen Früchten +++ im Geschmack dann deutliche Aprikose und leicht nussig, insgesamt angenehm leicht, Abgang etwas kurz

Platz 10 +++ Etwas kräftiger als der Togouchi, aber nicht besser +++ Im Geschmack mit etwas dunkler Frucht und Orange, deutliche Holznote, etwas bitter +++ Für mich nicht überzeugend, zu unausgewogen und flach

Platz 7 +++ Ein ordentlicher Blend, bei dem nur das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich nicht ganz stimmt +++ In der Nase bereits mit viel Vanille und Karamell, was sich auch im Geschmak fortsetzt +++ Vanille- und Honignoten lassen ihn wie einen guten Bourbon wirken

Platz 4 +++ Für mich die erste überzeugende Begegnung mit einem sherrylastigen Whisky +++ In der Nase bereits kräftige dunkle Früchte, der Geschmack kommt dann mit der ganzen Sherrywucht und mit deutlicher Pflaume +++ sehr lecker

Platz 5 +++ Den kannte ich schon und hatte ihn in guter Erinnerung - zurecht +++ Mit leichtem Rauch und Zitrusfrüchten macht bei mir keiner was falsch +++ Ein astreiner Alltagswhisky, nicht zu anspruchsvoll, aber lecker - vielleicht nur ein bisschen teuer für das, was er kann

Platz 9 +++ Mein zweiter Versuch mit Jura - war wieder nix +++ Der Sherryeinfluss war zu merken, wenn auch nur dezent +++ Ansonsten war ich mit dem überfordert, für mich undefinierbar, schmeckt mir einfach nicht

Platz 3 +++ Tolle Neuentdeckung für mich +++ Eine super Kombination von dezentem Rauch mit sehr angenehmer Süße und deutlichen Honignoten +++ weich und voll im Geschmack, sehr schön

Platz 2 +++ Ein sehr guter Bekannter, bisher mein Lieblings-Bowmore +++ Ein ganz feiner Bourbonfass-Bowmore, mit dem typischen leichten Rauch, deutlichen Zitrusnoten und Vanille +++ Ich find den toll und war gespannt, ob er mich beim Tasting zwischen den anderen Whiskys noch so überzeugen kann wie beim ersten Mal - er konnte

Platz 1 +++ Der Star des Abends +++ Kommt in Fassstärke mit 54,2 Prozent, braucht aber kein Wasser +++ Die Reifung in drei verschiedenen Fasstypen und das Finish im Rotweinfass bringt schon in der Nase eine große Aromenfülle +++ Im Geschmack entfalten sich dann vollends die intensiven Aromen dunkler Früchte und die Süße von Vanille und Marzipan +++ Der ist teuer, aber seinen Preis mit Sicherheit wert

Platz 6 +++ Ein rauer Vertreter von der Insel Islay +++ Rauch, Meersalz, Jod bestimmen sein maritimes Geschmacksbild, abgerundet von rauchigem Abgang +++ Eigentlich mag ich das, und auch den kannte ich schon vorher +++ Hinter dem Mackmyra und seiner Aromenfülle ist er aber ein wenig abgestürzt an diesem Abend

Und das habe ich an diesem Abend gelernt:
  • Das Geschmacksspektrum ist bei Whisky so groß, dass es manchmal nicht nur um Nuancen geht. Es bleibt dann nicht bei einem "der schmeckt mir weniger gut/etwas besser als der andere" und der Aussage, dass man Whisky allgemein auf jeden Fall mag. Nein, es gibt tatsächlich welche - und das sind beileibe nicht nur irgendwelche Discounter-Tropfen - bei denen ich im Brustton der Überzeugung sagen kann: Der schmeckt mir nicht. Der Glenlivet zählt dazu, und mit Jura werde ich wohl auch so schnell nicht warm.
  • Whiskys, die ich schon vorher kannte und sehr mochte, haben sich hier sehr gut gegen die neuen, also mir bisher nicht bekannten Konkurrenten gut behauptet. Der Tomatin ist ein sehr guter Alltagswhisky, und der Bowmore Gold Reef  hat seinen Platz unter meinen absoluten Favoriten gefestigt - auch wenn er den Tagessieg dem Mackmyra überlassen musste, mit dem ein baldiges Wiedersehen allerdings fraglich ist: Ausverkauft. Und der Caol Ila bleibt ein leckerer rauchiger Vertreter von Islay, auch wenn er an diesem Tag wie oben beschrieben einen schweren Stand hatte.

Mittwoch, 8. April 2015

Latzes Whisky | Bowmore-Rundumschlag

In letzter Zeit hatte ich das Glück, mich etwas tiefer in das Angebot der schottischen Whisky-Destillerie Bowmore hineinprobieren zu können. Der schon früh in meiner nun anderthalbjährigen Karriere als Whiskygenießer entstandene Eindruck, Bowmore könne eine meiner Lieblings-Whiskymarken werden, hat sich dabei gefestigt. Außerdem haben mir diese Erfahrungen weitere Erkenntnisse über meinen Whiskygeschmack gebracht. Den Versuch, sie zu interpretieren, möchte ich hier mal teilen. Ich starte mit einer Auflistung der von mir probierten Tropfen, und zwar in der Reihenfolge, wie sie mir gefallen haben:
Ich mag ja rauchige Whiskys, was bei meiner Bowmore-Vorliebe niemanden überraschen dürfte. Die obige Reihenfolge und auch meine sonstigen Erfahrungen zeigen aber, dass der Rauch sich bei mir eher nicht mit einer gewissen Vollmundigkeit, Schwere und Süße verbinden sollte. Im Zusammenspiel mit Rauch mag ich es am liebsten, wenn sich Citrus- und Salzaromen sowie dezente Vanille- oder Honigsüße dazugesellen.

Diese Geschmacksausrichtung schlägt sich bei mir auch bereits bei der farblichen Bewertung eines Whiskys nieder. Während diejenigen, die auch bei rauchigen Whiskys auf kräftige Sherrynoten im Geschmack stehen, bei einer kräftig-dunklen Rotbraun-Färbung in Verzückung geraten, haben es mir optisch eher die helleren, goldfarbenen Whiskys angetan.

Was schließen wir daraus? Rauchige Whiskys sollten ihre Reifezeit eher in Bourbon- oder neuen Eichenfässern verbracht haben, um mir besonders gut zu schmecken. Die beiden Führenden der obigen Tabelle, Gold Reef und Legend, taten genau das.

Nicht falsch verstehen: Das ist eine Abstufung auf insgesamt hohem Niveau. Auch die nächst folgenden sind gute Whiskys und überaus lecker, die Abstände sind nur minimal. Enigma, 12, 15 Darkest und Black Rock merkt man den deutlichen Sherry-Einfluss an, sein Zusammenspiel mit dem Rauch habe ich als sehr harmonisch empfunden. Nur der 100° Proof und der Surf fallen etwas ab. Ersterer kommt in Fassstärke mit 57,1 Prozent Alkohol daher, war mir pur deutlich zu scharf und hat mich auch nach Zugabe von Wasser geschmacklich nicht überzeugt. Und der Surf? Soll ja nahezu identisch mit dem Legend sein, liest man überall. Mag stimmen, geschmacklich gehen sie auf jeden Fall in die gleiche Richtung. Aber den Surf empfand ich als schlapp und charakterlos, während ich die maritime Ruppigkeit des Legend, die mancher bemängelt, sehr mag.

Ich werde weiter probieren und wieder berichten, wenn es neue Entwicklungs- und Erkenntnisschritte in meiner Whiskywelt gibt. Und bis dahin nehme ich gerne Tipps an, welchen im Bourbonfass gereiften Rauchwhisky ich unbedingt probiert haben sollte.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Latzes Whisky | Raus aus Schottland


Ich war echt ganz schön gespannt. Eine Irish Whiskey/Bourbon Night stand auf dem Programm. Ein ganzer Abend nur mit Bourbon und irischem Whiskey. Na dann.

Es gibt ja nicht wenige Liebhaber schottischen Whiskys, die die Erzeugnisse aus Irland und den USA eher belächeln und sie stets kommentieren mit dem Hinweis, dass sie allerhöchstens mit Cola und Eis genießbar seien. Ich für meinen Teil scheine einen vielseitigen Geschmack zu haben, denn obwohl ich quasi über Schottland zum Whiskygenuss gekommen bin und die dortigen vielfältigen Aromen mag, besonders den Rauch, der den Iren und den Amis meist abgeht, wusste ich bereits, dass es auch Irish und Bourbon gibt, die mir munden.

Die Veranstaltung in der Weinkellerei und Spirituosenmanufaktur Heinr. von Have in Hamburg-Bergedorf ließ erneut keine Wünsche offen - durch eine solche bin ich ja wie berichtet überhaupt erst zum Whisky gekommen. Wie damals führte Seniorchef Horst von Have durch den Abend, und das gewohnt unterhaltsam und anekdotenreich. Wie wird der Whisky hergestellt, warum schmeckt er so, wie er schmeckt und wie komme ich überhaupt in den Genuss der vielen Aromen? Das alles erklärt er mit seiner ganzen Erfahrung als Kellermeister, Destillateur und natürlich Whiskygenießer. Und auch andere Geschichten gab er zum besten. Weil wir thematisch in Irland und den USA unterwegs waren, erfuhren wir über das Getränk hinaus auch, warum der Ire den Briten im allgemeinen und den Schotten im besonderen nicht sonderlich mag, was General Custer am Little Big Horn widerfuhr und dass "Karl May von Indianern so viel Ahnung hatte wie 'ne Kuh vom Tauchen".

Aber natürlich gab es zwischendurch auch etwas zu trinken. Fünf Iren, ein kanadischer Whisky und vier Bourbon standen auf dem Plan. Hier sind sie alle mit jeweils einer kurzen Bewertung. Erwartet bitte keine professionellen Tasting Notes, so weit bin ich noch nicht.

Teeling Single Grain
Nase recht scharf, im Geschmack sehr schöne Honignoten. Ein angenehm leichter Whiskey, der mir gut gefallen hat.

Jameson Gold Reserve
Mit Jameson werde ich nicht warm. Die Nase noch angenehm weich, im Geschmack dann mit Vanille und Rotwein und einem undefinierbaren, mir unangenehmen Beigeschmack.

Redbreast 12 Jahre
Für mich der beste Ire des Abends. Nase und Aroma schön fruchtig, im Geschmack mit etwas Pfeffer, mit langem Abgang. Lecker.

Yellow Spot 12 Jahre
Süße Nase, Aroma fruchtig, aber unausgewogen mit viel Holz. Mittellanger Abgang. Wertung: nicht so doll.

Bushmills 1608 Anniversary
Der kräftigste Ire mit einem Hauch Wald in der Nase. Aroma kräftig trotz der irischen Süße, mit angenehmem Holz und einer Spur Rauch, insgesamt aber trotzdem rund und weich. Gefällt mir.

Canadian Club 12 Jahre
Für mich und alle anderen Tasting-Teilnehmer der Totalausfall des Abends. Unangenehm süß, hat in meinen Augen geschmacklich mit Whisky wenig zu tun, eher rumartig.

Jack Daniels Single Barrel
Für mich der bisher beste Bourbon (Tschuldigung: "Tennessee Whiskey"). Den hatte ich schon zuhause, und es hat sich bestätigt. Honig, Vanille, Früchte und das für Bourbon typische Eichenholz verbinden sich zu einer herrlich runden Sache.

Woodford Reserve Distiller's Select
Nach dem Kanadier die zweite Niete, da haben auch meine Notizen versagt. Unausgewogen und zu süß, wenn ich mich recht erinnere.

1776 Bourbon Whiskey 100 proof
Viel Honig in der Nase, im Geschmack etwas scharf, aber rund mit Honig und etwas Karamell. Recht lecker.

Wild Turkey 101 proof
Viel Vanille in Nase und Aroma, trotz des hohen Alkoholgehalts von 50,5 Prozent weich mit einer angenehmen, nicht zu aufdringlichen Süße. Für mich zweitbester Bourbon des Abends.

Was habe ich nun an diesem Abend gelernt? Folgendes:
  • Dass es der erste Whisky eines Tastings stets schwer hat. Zunge und Gaumen müssen sich beim ersten Schluck des Abends zunächst an die Schärfe des Alkohols gewöhnen. Der erste Whisky schmeckt also erstmal scharf, er sollte bei einem Tasting die Chance eines zweiten Schlucks bekommen.
  • Dass auch aus Irland und den USA sehr leckere Whiskeys kommen, die man sich mal zuhause ins Regal stellen kann.
  • Dass kanadischer Whiskey auch bei viel gutem Willen wohl tatsächlich nix taugt. Der verkostete Canadian Club war, nun ja, sonderbar. Meine ernst gemeinte Frage, ob der, wenn man beide Augen zukneift, geschmacklich auch als Rum durchginge, vermochte der Referent nicht zu verneinen. Ein guter Rum ist ja was Feines, aber einen Whisky, der nach Rum schmeckt, brauchen wir wohl eher nicht.
  • Dass die für mich besten des Abends, nämlich der Teeling, der Redbreast, der Bushmills, der Jack Daniels und der Wild Turkey, sich locker bei den guten schottischen Tropfen einreihen können und ich sie bei jeder Gelegenheit, die ich bekomme, genießen werde.
  • Dass ein ganzer Abend nur mit Irish Whiskey und Bourbon dann doch etwas zu viel des Guten ist. Einzelne schmecken hervorragend, aber die geballte Masse ist dann doch arg süß, vanillig und holzig. Ein kräftiger Schotte, idealerweise mit mehr oder weniger Rauch, muss da zwischendurch zur Erdung einfach mal sein.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Latzes Whisky | Der Weg des Genießens



Jetzt ist es schon über ein Jahr her, dass ich in die Welt des guten Whiskys eingetreten bin und hier davon berichtet habe. Wird also mal wieder Zeit. Seitdem sind schon einige gute Tropfen meine Kehle hinuntergeflossen, aber trotzdem stehe ich noch ziemlich am Anfang als Whiskygenießer.

Sehr zum Leidwesen meiner holden Gattin haben es mir die kräftigen, rauchigen Whiskys von Islay und den anderen Inseln angetan. Sie mögen mir keinen für sie wohlriechenden Atem bescheren, aber sie sind lecker. Sehr. Beispiele sind Bowmore Legend, Caol Ila 12 und Ledaig 10, die ich großartig finde.

Dass ich noch ein Anfänger bin, merke ich daran, dass ich noch Schwierigkeiten habe, die Aromen im Whisky zu erschmecken und zu benennen. Holz, Honig, Vanille, Beeren, Zitrusfrüchte – all das und noch viel mehr soll man da schmecken können, was mir noch schwer fällt. Bis jetzt kann ich nur herausfinden, ob er rauchig ist oder nicht, vollmundig oder nicht und, besonders wichtig: ob er mir schmeckt oder nicht. Aber Übung macht den Meister.
 
Etwas Schützenhilfe bekomme ich offenbar künftig durch den Umstand, bei Facebook einer Gruppe von Whiskyliebhabern mit über 3.000 Mitgliedern beigetreten zu sein. Ein riesiger Treffpunkt lauter (positiv) Whiskyverrückter ist das, sehr unterhaltsam, kommunikativ und informativ. Und neben Infos und Anekdoten in Hülle und Fülle gibt es dort auch die Möglichkeit, an Samples (also Proben, die kleinen Fläschchen oben im Bild) in riesiger Auswahl zu kommen - für Einsteiger wie mich eine tolle Möglichkeit, viel probieren zu können, ohne gleich große Flaschen kaufen zu müssen, die erstens viel kosten und zweitens verkommen, wenn der Inhalt mir nicht schmeckt. Tolle Sache, schon für euch getestet.

Natürlich sind auch Tastings weiter interessant, so bin ich schließlich überhaupt in die ganze Sache hineingeraten. Bald gibt es wieder eins in der Weinkellerei von Have in Bergedorf, diesmal geht es um Bourbon und irischen Whiskey. Obwohl ich ja, wie oben erwähnt, ein besonderes Faible für kräftigen, rauchigen Single Malt aus Schottland habe, bin ich den milderen und süßeren Kollegen aus Irland und den USA nicht minder zugetan. Zum Beispiel finde ich den Jack Daniel's Single Barrel sehr lecker.
 
Ich bin also gespannt und werde hier berichten, wie es war.

Mittwoch, 25. September 2013

Latzes Whisky | Wasser des Lebens

Kommen wir jetzt mal zum Thema Whisky. Ein schönes Thema - und eines, das für mich seit einigen Tagen in ganz neuem Licht erscheint.

Whisky ist schon seit Oberstufenzeiten das alkoholische Getränk, das ich im entsprechenden Rahmen besonders gerne zu mir nehme. Über all die Jahre allerdings in einer Form, die die wahren Kenner dieses Getränks wohl eher missbilligen würden: Bisher fanden lediglich die "Supermarktwhiskys", wie ich sie nenne, gemischt mit Cola in meinen Magen. Auch lecker, klar.


Aber die Welt des echten Whiskygeschmacks blieb mir bislang verborgen. Schottischer, irischer, Bourbon, blended, Malt, Single Malt - alles Begriffe, die ich wohl gehört hatte und einigermaßen zuordnen konnte, doch das Wissen um die tiefere Bedeutung fehlte.

Das ist nun, nach einem Besuch in der Weinkellerei von Have in Bergedorf, anders geworden. Dort kam ich nämlich in den Genuss einer Single Malt Scotch Whisky Night. Der Seniorchef Horst von Have, Kellermeister und weitgereister Destillateur, erzählte uns alles, was man über die Herstellung von Whisky wissen muss - und vor allem, wie man ihn richtig probiert. Und das alles in der blumigen, anekdotenreichen und deshalb unterhaltsamen Sprache, wie sie fast nur solch ältere Herren voller Wissen und Erfahrung beherrschen.

Wie probiert man nun so einen edlen Tropfen? Vieles erinnert an das Gebaren von echten und Möchtegern-Weinsommeliers, wie man es aus dem Fernsehen oder dem gelegentlichen Besuch höherklassiger Restaurants kennt. "Bisschen albern", denkt man da gerne als Unwissender, denn so sieht es für den Außenstehenden aus. Ewiges Schnüffeln und umherwälzen des Probeschlucks im Mund, dabei manch undefinierbares Grimassieren und Augenverdrehen, nun ja.

Aber: So geht es nun mal. Der Duft gehört zum Geschmackserlebnis unvermeidlich dazu. Und der Probeschluck soll alle Regionen in Mund und Rachen erreichen und dort verweilen, damit die Aromen wirken können. Und da gibt es beim Whisky viel zu erleben. Wir lernten, dass der verfeuerte Torf, die Zutaten, Wasser, Luft und die Fässer, in denen die Whiskys reifen, die Aromen bringen - und dass es da unzählige Nuancen gibt. Wir lernten den Unterscheid zwischen blumigen, milden Highland-Whiskys und herbem, rauchigem Inselwhisky. Große Geschmackserlebnisse, wirklich.

Zehn Whiskys gab es, und Favorit des Abends war einer namens Tomintoul. In Zukunft werde ich die Cola also auch mal weglassen und zu gewissen Gelegenheiten auch so einen edleren Tropfen genießen, ganz sicher. Und auch den guten Whisky ganz neu erleben, den mir mein Schatz vor Zeiten schenkte und dem ich bislang nicht die Aufwerksamkeit schenkte, die er verdient. Prost!