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Donnerstag, 30. Januar 2014

Über Zeit und Raum

Ist es erstrebenswert, dass das Kind schon im Grundschulalter einen vollen Terminplan hat und pausenlos "gefördert" wird? Und ist es erstrebenswert, dass es später um jeden Preis Abitur, eiligen Studienabschlüssen und Managerkarrieren nachläuft?

Viele denken heutzutage offenbar: Ja. Ich bin mir da nicht so sicher. Als Eltern fragt man sich solche Fragen ja öfter mal. Jetzt, wo der Sohn in der ersten Klasse ist, sogar noch öfter. Man versucht, zu ergründen: Welche Wünsche hat er? Welche Ziele? Welche Sorgen, welche Ängste? Wie geht er mit ihnen um? Beobachten, sich Zeit nehmen - das ist wichtig. Und: dem Kind Zeit und Raum geben, sich zu finden und zu entwickeln, eigene Interessen zu entdecken.

Andere Kinder in dem Alter, man sieht und liest es immer wieder, haben schon ein ambitioniertes Programm: Fußball, Schwimmen, Musikschule, Schachclub. Muss das sein? Die Zeit, das Kind hin und her zu kutschieren, könnten viele lieber damit verbringen, sich selbst mit dem Kind zu beschäftigen - oder es sich mit sich selbst beschäftigen zu lassen. Denn auch das ist nötig und wichtig. Finde ich, und findet die Autorin dieses schönen Textes, den ich kürzlich las.

Überhaupt ist Lesen toll. Das Kind sollte lesen. Eltern denen es gelingt, das Kind zu vielem Lesen zu animieren, oder die das Glück haben, dass es von allein diese Leidenschaft entdeckt, können glücklich sein. Es gibt viel zu lesen, es öffnet Türen zu neuen Welten.

Ja, auch im Internet. Da kann man auch lesen. Zum Beispiel tolle Artikel wie diesen über einen Handwerksburschen, der auf der Walz war. Ich wäre stolz, wenn mein Sohn so etwas machte - ebenso stolz, als wenn er Arzt, Anwalt, Bänker oder sonstwas managerhaft-erfolgreiches würde. Kaum noch vorstellbar ist sowas in der voll vernetzten Gegenwart, mit einem omnipräsenten Internet und der Vorstellung, dass ein "Arbeitsplatz" gefühlt immer mit einem Büro und einem Computer verbunden ist. Doch dieses Interview ist wunderbar und zeigt uns Schreibtischmenschen, dass es auch ein anderes Leben gibt, in dem wir uns Räume öffnen können und sollten, die Welt, andere Menschen und uns selbst zu entdecken. Das sollten wir nicht vergessen.

Dienstag, 3. September 2013

Lesetipp (11): TV-Duell

Zehn Minuten waren es etwa, die ich vom TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück mitbekam. Und ich sah in dieser Zeit alles, was ich auch schon vor vier Jahren sah. Ein von vorn bis hinten von PR durchdrungenes Ereignis, ohne Spannung, Reiz, Erkenntnis und irgendeinen Nutzwert. Fragen wurden weder gestellt noch beantwortet. Und das Moderatorentheater ist ein Dilemma. Ein ebenso unterirdischer Peter Kloeppel wie vor vier Jahren, Maybritt Illner, die über ihre eigenen gestelzten Sätze stolpert, und Raab, der durch seine gut vorbereitete Frechheit ein Gewinn ist gegenüber dem verkalkten Möchtegern-Seriös-Qualitätsjournalismus der Anstalten.

In dieser Form ist das schlicht überflüssig. Und am allerlächerlichsten ist, wenn ich am nächsten Morgen in der S-Bahn frisch gedruckte SPD-Flugblätter in die Hand bekomme mit dem Text: "Steinbrück gewinnt TV-Duell". Was soll ich da zuerst fragen? WTF? Oder: Na und?

Viel interessanter als das TV-Duell selbst ist da so manche Nachberichterstattung. Was der Spreeblick und Niggemeier dazu schreiben, kann ich nur unterstützen. Und auch diese ZEIT-Kolumne bietet interessante Sichtweisen. Lesen lohnt.