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Mittwoch, 13. April 2016

Sicherheit? Das ist zu viel Luxus

Immer und immer wieder bedauere ich zutiefst jene Menschen, die von widrigen Umständen dazu gezwungen werden, ihr eigenes und viele weitere Leben aufs Spiel zu setzen, indem sie Auto fahren und sich dabei ein Handy ans Ohr halten müssen. Weil der Hersteller ihrer Kiste es nicht für nötig hält, eine Technik, die - Freisprecheinrichtung genannt - nur ein paar Euro in der Herstellung kostet, serienmäßig in seine Karossen einzubauen, für die sechsstellige Beträge über den Tresen wandern. Oder weil jene Menschen nach dem Überweisen eben jener sechsstelligen Beträge kein Geld mehr übrig haben, sich dieses kleine Gadget noch dazu zu bestellen.

Tiefes Bedauern. Doch, wirklich.

(Mehr zum Thema gibt's beim NDR)

Mittwoch, 22. April 2015

Außenbords: Links aus 1515-17

Nach der Urlaubspause hier jetzt wieder ein paar Sachen zum Lesen. Es geht um Griechenland, Autofahrer, Fremdenfeindlichkeit, Kinderfotos im Netz und Fernsehen.


Der griechisch-deutsche Journalist Michalis Pantalouris erklärt, was aus seiner Sicht alles falsch läuft in der medialen Wahrnehmung Griechenlands in Deutschland. Es ist eine Menge.


Langsamfahrer-Bashing gibt es meines Erachtens viel zu wenig. Denn Langsamfahrer sind meistens auch Nichtblinker und Nicht-in-den-Rückspiegel-Gucker - und damit brandgefährlich. Das fasst dieser Text aus der PS-Welt (zugegeben, der Name ist echt gruselig) schön zusammen und deutet auch an, was viele Schleicher nicht für möglich halten würden: dass die, die auf Schleicher schimpfen, nicht zwangsläufig selbst notorische und gemeingefährliche Raser sind.

Interessanter Text über einen rechtsgesinnten Dorfprominenten in der deutschen Provinz und sein gewaltbereites Netzwerk. Erschreckend, wie man heute auch in Mitteleuropa noch mit Angst und Gewalt seine menschenverachtenden Interessen durchsetzen kann.

Warum der immer wiederkehrende Befehl "Stell keine Fotos deiner Kinder ins Netz" mit erhobenem Zeigefinger genauso falsch ist wie unreflektiertes Posten privater Dinge in den Sozialen Netzwerken, stellt Johnny Haeusler differenziert dar. Erst Nachdenken, dann Hochladen - das gilt nicht nur für Kinderfotos, sondern für alles, was ihr ins Netz stellt.


Gleiches Thema, anderer Text, ähnlich differenziert. Caspar Clemens Mierau: "Doch hört auf, anderen Eltern pauschalisierend paternalistische Ratschläge zu geben. „Kinderfotos gehören nicht ins Social Web“ ist eine Forderung, die Eltern jegliche Empathie und mediale Kompetenz abspricht. Statt dessen sollte es prinzipiell um konkretes ethisches Verhalten gehen. Kinderfotos sind ebenso wenig per se gut wie es andere Fotos sind. Doch sie sind auch nicht per se schlecht."

Die große Show der Unterhaltung | Bloggen für den den Weltfrieden die, die ich mag

Nilz Bokelberg schreibt leidenschaftlich darüber, wie deutsches Fernsehen ist und wie es sein sollte. Da kann ich nur eins kommentieren: JA!

Mittwoch, 11. März 2015

Außenbords: Links aus 1511


Olympia, Fußball, Social Media und Autos - das sind diesmal die Außenbords-Themen. Viel Spaß beim Lesen.


- Sie sind nicht schön, sie sind nicht schnell, sie sind nicht sparsam und bieten auch nicht übermäßig viel Platz - warum zum Henker fährt trotzdem alle Welt SUV? Ich verstehe es nicht. Dieser Text übrigens auch nicht - obwohl er versucht, Gründe zu finden. Lesenswert ist er trotzdem.


- Das ist ja Wasser auf meine Mühlen: Zeit meines Lebens werde ich Unverständnis und Verachtung jenen gegenüber hegen und auch äußern, die meinen, sie würden andere Fußballclubs und deren Anhänger hassen. Hass hat sowieso nirgends einen Platz, und schon gar nicht im Sport. Egal, aus welchen Gründen. Dieser Text bringt es anhand eines aktuellen Beispiels auf den Punkt.


- Hier mal was berufliches: Eine Umfrage sagt, dass junge Leute althergebrachte Servicekanäle wie Telefon und Post ignorieren und auch mit ihrer Versicherung per Chat und Facebook kommunizieren wollen. Mal gucken, wann die Ärmelschonerträger und Datenschützer dieser Welt das schnallen.


- "...ein Signal des Aufbruchs, der Bewegung sowie Weltoffenheit und zudem ein Bekenntnis zum Wettbewerb" könnte Olympia für Deutschland sein, sagt dieser Text. Präziser wird er kaum. Trotzdem lesenswert, weil er bei der Suche nach Gründen, warum Olympia in Hamburg oder Berlin stattfinden sollten, ganz viele findet, die dagegen sprechen.

Montag, 13. Oktober 2014

Auto fahren in Schland - eine Polemik

Kann ein Blogbeitrag auch therapeutische Wirkung haben? Vielleicht, man weiß es nicht. Aber ich werde es heute mal ausprobieren. Mir liegt nämlich etwas auf der Seele, etwas, das mich nachdenklich macht. Es ist eine Sache, die ich seit längerem an mir beobachte, eine Sache, die in mir nicht nur negative Gedanken und Gefühle auslöst, sondern die auch besorgniserregende Auswirkungen auf mein Handeln hat. Und zwar: Ich mag nicht mehr Auto fahren.

Jeder, der mich kennt, weiß: Eigentlich liebe ich Auto fahren.

Aber nicht mehr in diesem Land.

Die deutschen Autofahrer machen mich fertig. Und das auf sehr kreative, vielfältige und ausdauernde Weise. Diese Mischung aus Ignoranz, Egoismus, Rücksichtslosigkeit, dummen Gewohnheiten, Schnarchnasigkeit, Gleichgültigkeit und Faulheit kann ich nicht mehr ertragen.

Ich will sie nicht mehr sehen, diese 
  • Idioten, die auf der Autobahn mit gefühlten 427 Klamotten auf der linken Spur angeballert kommen, schon aus vier Kilometern Entfernung von Lichthupen-Tourette befallen werden und dann erst bremsen, wenn sie schon den Werbeaufdruck auf meiner Kennzeichenhalterung lesen können. OBWOHL SIE GENAU SEHEN, DASS ICH NICHT NACH RECHTS KANN, WEIL DA VOLL IST!
  • Tranfunzeln, die auf der Autobahn nicht nach rechts fahren, obwohl dort frei ist. Weil sie nicht wissen, dass jemand hinter ihnen ist, der eventuell schneller sein könnte. Weil sie schon seit mehreren Wochen ihre Rückspiegel nicht mehr benutzt haben.
  • Ignoranten, die auf einer vielbefahrenen Straße innerorts am entgegenkommenden Linksabbieger, hinter dem sich schon ein kilometerlanger Stau gebildet hat, stumpf vorbeifahren, anstatt ihm mal kurz den Platz zum Abbiegen zu lassen.
  • Pennbrüder, die auf einer vielbefahrenen Straße innerorts links abbiegen wollen, einen kilometerlangen Stau hinter sich haben und es nicht mitkriegen, wenn einer der Entgegenkommenden sie durchlassen will, weil sie in die Luft gucken.
  • Schlafmützen, die als erste an der roten Ampel stehen und dann, wenn sie wieder grün geworden ist, sich überlegen: „Oh, die Ampel ist grün, dann, ähm, Moment, ahja, kann ich jetzt langsam den ersten Gang einlegen, und, naja, dann könnte ich ja auch demnächst losfahren.“
Eines meiner Lieblingsthemen, schon immer, ist das Blinken. Es gehört zu den aussterbenden Tätigkeiten. Blinken beim Ausscheren hinter einem Lkw auf der Autobahn? Nö. Blinken, bevor ich den Kreisverkehr verlasse? Ach. Blinken, bevor ich bremse, um irgendwo abzubiegen oder anzuhalten? Geschenkt! Ich raste aus. Jedesmal. Immer mehr Leute denken anscheinend, dass der Blinker kein Warnzeichen, sondern ein netter Lichteffekt zur stimmungsvollen Untermalung ist.

Vor allem das Nichtgeblinke, aber auch viele andere Auswüchse sind für mich ein Zeichen, dass rücksichtsvolles, mitdenkendes und vorausschauendes Autofahren immer seltener wird. Ich unterstelle den meisten keine bewusste und damit aggressive Rücksichtslosigkeit, aber Ignoranz und Egoismus, die aus stinkender Faulheit gewachsen sind, sind beinahe genauso schlimm.

Schlimm ist dieses Verhalten deshalb, weil es nicht nur mitunter gefährlich ist, sondern auch, weil es den Verkehr behindert. Stets und ständig beschweren sich alle, dass es auf den Straßen überall verstopft ist und nirgendwo vorangeht. Aber niemand tut etwas dagegen, sondern viel dafür, dass es noch schlimmer wird.

Es könnte so einfach sein. Rechtzeitig die nächste Aktion ankündigen durch Blinken. Mal einen Abbieger durchlassen, hinter dem sich schon ein Riesenstau gebildet hat. Mal vorausschauen, wenn man auf eine gut einsehbare Kreuzung, Einmündung oder einen Kreisverkehr zufährt, damit man, wenn frei ist, zügig weiterfahren kann und nicht erst eine Vollbremsung an der Haltelinie hinlegen muss. Einfach mal wachsam sein, um sich gucken, den gesamten Verkehr im Blick haben. Nicht nur das eigene Auto und das nächste Verkehrsschild, das mir Anweisungen gibt, was ich als nächstes tun muss, weil ich zu faul bin, mir das selbst zu überlegen.

Ich glaube ernsthaft und bin ein bisschen froh, dass ich das besser kann - eigentlich. Denn daran, dass das alles nicht passiert, und zwar in jeder Stunde tausendfach auf unseren Straßen, verzweifele ich. Schlimmer noch: Es macht mich aggressiv. Ich will das nicht, aber es passiert. Ich raste im Auto aus, wenn mal wieder einer nicht blinkt vor mir, so dass der Sohn mich anguckt, als sei ich ein Monster. Ich werde ungeduldig, was ich eigentlich nicht bin, und lasse mich dadurch zu riskanten Manövern hinreißen, fahre zu dicht auf. Den prompten – und völlig berechtigten – Einlauf von meiner angetrauten und liebsten Beifahrerin gibt’s gratis dazu. Es ist schlimm. Isch möschte das nischt.

Können sich die deutschen Autofahrer nicht ein bisschen was aus Italien oder so abgucken? Die Südländer wissen noch, dass Blinker und Hupe Warn- und Ankündigungssignale sind - und keine Leuchteffekte oder Pöbelinstumente. Wenn man dort in die fahrenden Autos schaut – selbst erlebt in Florenz und sogar in Brüssel – dann sieht man, dass Augen und Hälse ständig in Bewegung sind, um sich um- oder in die Spiegel zu schauen. Weil alle es tun, funktioniert es. Tut man es nicht, kommt man keine hundert Meter weit ohne Blechschaden. Hier in Deutschland tun es zu viele nicht. Hier gibt es ja Schilder, Markierungen und Verkehrsregeln, mit denen uns die heilige StVO das Denken und Vorausschauen abnimmt.

Ändern kann ich die Zustände wohl nicht. Deshalb hat dieser Text den selbsttherapeutischen Ansatz. Das Ziel: Der negative Effekt der Umstände, die ich nicht ändern kann, soll mir bewusst werden, damit ich gegensteuern kann. Selbsterkenntnis und so, ihr kennt das. Ich will wieder gelassener werden. Ich will mich nicht mehr so aufregen über die ganzen Ign…

Ich will wieder gelassener werden. Ganz im Sinne Karl Valentins: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ 

Dienstag, 20. August 2013

Plädoyer für ein Ersatzrad


Ein Auto braucht ein vollwertiges Ersatzrad, ich bin da altmodisch. Ja, ich weiß, die wiegen und verbrauchen viel Platz im Auto. Reparaturkits und Noträder sind deshalb groß in Mode. Aber ich finde, dass einem diese Sachen kaum was bringen, wenn es wirklich nötig ist.

Neulich erst ist es passiert. Mein Arbeitsweg besteht ja je zur Hälfte aus Auto- und Bahnfahrt. Ich stieg also aus der Bahn, um den Rest des Heimwegs per Auto zu bewältigen und den Sohn abzuholen. Und siehe da: Reifen platt. Radwechsel in zwölf Minuten erledigt, Sohn abgeholt. So weit, so gut.

Mit so einem Reparaturkit soll es ja durchaus länger dauern, hab ich gehört. Wenn es denn überhaupt klappt. Notrad ist schön und gut, das geht auch schnell, aber damit kann man ja nur langsam fahren. In beiden Fällen muss man dann aber eiligst in die Werkstatt, um den kaputten Reifen reparieren oder ersetzen zu lassen.

Das ist dann nämlich das beste am vollwertigen Ersatzrad: Damit kann man erstmal ohne Einschränkungen rumfahren und sich mit dem kaputten Reifen etwas Zeit lassen. Als Berufstätiger weiß man das zu schätzen. Für mich wird es nach Möglichkeit nie etwas anderes geben als ein vernünftiges Ersatzrad im Auto.